Bau eines naturnahen Garten- oder Schulteiches
10 Arbeitsschritte in chronologischer Reihenfolge
 
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1. Planung 
Der Tipp für Umweltbewußte:
Jeder Garten ohne Gartenteich ist weit 
umweltverträglicher als ein  Zierpflanzengarten mit zusätzlichem Zierfischteich.
Was für einen Teich möchte ich?

Wer sich einen Teich ohne Fische partout nicht vorstellen kann, sollte zuerst die Kapitel über Zierfische und einheimische Fische lesen. Wer diese Informationen vertiefen möchte, dem sei das Kapitel  "Amphibien oder Fische" empfohlen.

Ein naturnaher, künstlicher Teich oder neu angelegter naturnaher Gartenteich sollte einem natürlichen Kleingewässer so ähnlich wie möglich sein. Deshalb sollte man sich natürliche Gewässer sowie die Landschaft in der Umgebung genau ansehen.
Sollten natürliche Kleingewässer nicht mehr vorhanden sein kann man auch ältere Naturliebhaber befragen. 
Doch VORSICHT, es gibt nur noch wenige Menschen, die sich früher intensiv mit der Natur beschäftigt haben. Natur war bis in die späten Fünfzigerjahre des vorigen Jahrhunderts für die meisten Menschen, die sich nach dem Krieg wieder eine Existenz schaffen mussten, nichts Außergewöhnliches und wurde eher ausgenutzt und  bekämpft als geschützt - was teilweise leider auch heute noch geschieht.

Die außerhalb des Wohngebietes noch vorhandenen natürlichen Landschaftsbruchstücke sollten den Typ des anzulegenden Gewässers bestimmen.

Bitte beachten Sie, dass sich fast alle Tiere im Laufe der Evolution bestimmten Lebensräumen angepasst haben und sich deshalb nur optimal vermehren können, wenn ihnen Biotope angeboten werden, die ihren speziellen Lebenserfordernissen gerecht werden.
So wird ein mit kalkhaltigen Kieseln am Ufer angeschütteter und eingefasster Gartenteich in einem ehemaligen Sumpfgelände kaum eine größere Anzahl von Libellen oder Amphibien anlocken, die in moorigen Gebieten heimisch sind (oder waren).

Hier einige Beispiele:

 
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2. Geländeauswahl

Das zur Verfügung stehende Gelände bestimmt die Größe des Teiches.
Je nach Bodenbeschaffenheit, Gartengröße und finanziellen Möglichkeiten gibt es diverse Möglichkeiten der Ausführung:

Naturteich
Lehmabdichtung
Kunststoffbecken
Betonbecken
Folienteich
Die Wasseroberfläche sollte so groß wie möglich sein. Zu berücksichtigen ist aber auch die Uferzone die für  Feuchtigkeit liebende Pflanzen nicht zu schmal werden sollte, sowie eine 
eventuelle Sumpfzone.
Zu berücksichtigen sind obendrein  Ausgewogene Lichtverhältnisse
sowie ein Regenwasserzulauf 

Eine Ableitung des Regenwassers  von den Gebäudedächern in den Teich kann ihn in nicht zu trockenen Jahren u.U. ganzjährig  ausreichend mit Wasser versorgen. 

Obendrein wird dadurch das örtliche Abwassersystem entlastet!
Leitungswasser sollte wegen seiner Kostbarkeit nach Möglichkeit nicht  verwendet werden.

In einem gut bepflanzten Teich wird jedes Wasser in kürzester Zeit zu einer guten Qualität aufbereitet.

Doch auch  einen Überlauf sollte man vorsehen, das ist vor allem  bei kleineren Teichen wichtig, die sehr schnell gefüllt sein könnten.

Bei größeren und tieferen Teichen sind unbedingt die ortsüblichen Bauvorschriften zu beachten und im Bedarfsfall ist eine Sondergenehmigung einzuholen.

 
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3. Form, Tiefe, Gestaltung

Die Form, Tiefe und Gestaltung des Teiches sollte in einer genauen Zeichnung mit Größenangaben festgehalten werden.

Über Form und Tiefe sollten genaue Überlegungen angestellt werden, denn nachträgliche Änderungen sind, wenn überhaupt nur mit großem Aufwand möglich.

 

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4. Abstecken der Teichumrisse

Wenn Lage und Form des Teiches gewählt sind, werden die äußeren Umrisse des Wasserteils einschließlich des Teichrandes entsprechend der Zeichnung mit Bodennägeln und Schnur abgesteckt. 
Mit einer Schlauchwaage stellt man fest, ob der Boden rund um den abgesteckten Umriss gleich hoch ist. Sollte das nicht der Fall sein, wird die erste Bodenschicht so weit abgetragen, bis man eine gleich hohe Bodenfläche erhält. 

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5. Aushub

Nur bei größeren Teichen wird man den hauptsächlichen Aushub von einem Bagger ausführen lassen. Wenn der Baggerführer sein Handwerk sehr gut versteht, kann er auch die einzelnen Terrassen gestalten. Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass es vorteilhafter ist, wenn man nur die tiefste Stelle ausheben lässt und von dort aus die Ränder schräg nach oben verlaufen lässt.
Die Terrassen werden dann mit dem Spaten gestaltet. 

Der Normalfall wird sein, dass die gesamte Teichgrube mit Spaten und Schaufeln ausgehoben wird.

Es ist zu beachten, dass zuviel abgegrabenes Material nur noch sehr schwer wieder gefestigt werden kann.

Mehr zum Aushub
 

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6. Wasserzufuhr

Nun sollte die Wasserzufuhr, d.h. das Anzapfen der Dachrinnenableitung vorbereitet werden. 
Dafür gibt es verschiedene  mehr oder weniger praktische Bauteile zum Einbau in die Dachrinnenableitung. Die Ausführung ist selbst für einen Laien kein unlösbares Problem. Im Zweifelsfall kann man das aber einem Fachmann überlassen.

Für die Zuleitung des Regenwassers zum Teich gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Die einfachste Möglichkeit ist, das Regenwasser in einem oberirdisch verlegten Abwasser- rohr in den Teich fließen  zu lassen. Da das nicht gerade schön aussieht, sollte man sich etwas einfallen lassen, wie man das Rohr kaschiert.
  • Eine gleichzeitige Vergrößerung des Gewässers wäre ein mit Teichfolie ausgekleideter schmaler  Bach, in dem das Regenwasser von der Dachrinnenableitung  zum Teich fließt.
  • Bei größerem Abstand des Gewässers zum Gebäude ist es u.U. vorteilhafter das Regenwasser unterirdisch in einem Abwasserrohr aus Kunststoff in den Teich zu leiten. Das Rohr sollte so tief verlegt werden, daß es im Winter nicht einfriert. Bei einem Folienteich ist die dauerhafte Verbindung des Rohrs mit der Teichfolie unterhalb der künftigen Wasseroberfläche dabei ein Problem, bei der u.U. ein Fachmann Hilfestellung geben muss.
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7. Abdichtung  oder Folienverlegung
 

Lehmabdichtung
Bei nicht zu dichtem Grund könnte die Teichgrube mit mehreren  Zentimeter gestampftem Lehm oder Ton (mindestens 50 cm) abgedichtet werden. Dieses Verfahren ist, obwohl sehr umweltfreundlich, nicht uneingeschränkt  zu empfehlen. Die hohen Transportkosten des Lehms und der enorme Arbeitsaufwand machen dieses Verfahren ungewöhnlich teuer und garantieren trotzdem keine absolut sichere Abdichtung. 
Aus dem  Lehm werden obendrein ständig mineralische, manchmal auch organische  Nährstoffe an das Wasser abgegeben, so dass über viele Jahre  mit starkem Algenwachstum gerechtnet werden muss. Mindesten 20 cm nährstoffarmer Sand sollte das Wasser deshalb vom direkten Kontakt mit dem Lehm trennen.
 
 

Folienteich
Die weitaus häufigste, preiswerteste und auch bewährteste Methode ist bei kleinen und großen Teichen das Auslegen der Teichgrube mit Teichfolie. 
Teichfolien gibt es in verschiedenen Materialien und Dicken in den Farben schwarz, braun  und grün. Je größer der Teich werden soll, desto dicker sollte man die Folie wählen. Zu empfehlen sind Folien zwischen 0,8 und 1,5 mm. Die Hersteller garantieren eine Lebensdauer von zehn  Jahren. Die wirkliche Lebensdauer liegt jedoch weit höher und wird nur durch nicht abgedeckte Flächen verkürzt, an denen die Sonne die Folie langsam zerstören kann.

Mehr zum Verlegen
 

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8. Bodensubstrat

Nun kann das Bodensubstrat (Magersand) in Schichten zwischen 10 und 20 cm zuerst auf den Terrassenstufen , dann auf dem Teichrand verteilt werden. Da man es nicht verhindern kann, dass ein Teil des Sandes abrutscht, braucht man den Boden nicht mit Sand zu bedecken. Auch die Folie am Teichrand wird ausschließlich mit Magersand bedeckt.
Nur der Einstieg sollte nicht mit Sand bedeckt werden. Er wird erst einige Tage nachdem das Wasser eingelassen ist, mit einer Bahn Spezialfolie abgedeckt, die zur Rutschsicherheit mit Kies beklebt ist.

Entgegen allen allgemeinen Empfehlungen darf als Bodensubstrat keinerlei Erde, kein Pflanzensubstrat wie Blähton o.ä., keine Lava oder andere Schlacke verwendet werden!
(weitere Erklärungen und Hintergrundwissen im Glossar)
Die von Wasserpflanzengärtnereien angebotene (teure) Gartenteicherde ist normalerweise zu stark mit Nährstoffen angereichert und eutrophiert das Wasser unnötig.
 

 

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9. Uferzone und Sumpfzone

Bevor der Teich endgültig gefüllt wird, sollte man die Sumpfzone vorbereiten, sofern eine vorgesehen ist. Sie sollte auf jeden Fall tiefer als die übrige Uferzone ausgehoben sein  und mehr Substrat aufnehmen können, weil die meisten Sumpfpflanzen doch recht starke Wurzeln entwickeln. 
Da diese Zone direkt mit dem Teichwasser in Berührung kommt oder sogar zeitweise überschwemmt wird, darf auch hier als Substrat keine Gartenerde verwendet werden, die ihre Nährstoffe in das Wasser abgeben würde. Man verwendet auch hier wieder  reinen  Magersand.

Für Freunde von Moorpflanzen, z.B. Insektivoren sollte das Substrat diesen Pflanzen angepaßt werden. Mehrfach bestens bewährt hat sich hier eine Mischung aus 2 Teilen Magersand und einem Teil düngerfreien Torf, den man aber leider nicht in jedem Garten- oder Zoogeschäft kaufen kann.

Dann  kann mit der vorläufigen Verarbeitung des Teichrandes begonnen werden.

Danach kann der Teich gefüllt werden. (s.auch Wasser)

Die Teichfolie am Rand sollte aber erst nach frühestens drei Wochen etwa 1 Zentimeter über der 
Grasnabe abgeschnitten werden, da sie noch einige Tage benötigt, um sich an die Bodenform anzupassen. 

 

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10. Bepflanzung

In und an einem naturnahen Schul- oder Gartenteich sollten selbstverständlich vorwiegend einheimische Pflanzen wachsen. 
Das zu verwirklichen ist manchmal ein nahezu unlösbares Problem, denn unverfälschte, einheimische Pflanzen sind manchmal nur schwer und oft nur in Ausnahmefällen in Gärtnereien zu bekommen. 

Sie aus der Natur zu entnehmen, ist streng verboten.

Fanatische Naturanhänger überlassen deshalb den Teich sich selbst und warten, bis sich die richtigen Pflanzen von selbst eingefunden haben. Wenn dieser Teich mitten in einem Stadtgebiet liegt, dürfte die Folie dann wahrscheinlich schon lange zerfallen sein, bevor sich das erste Plänzchen eingefunden hat. Und dann wäre es ein riesiger Glücksfall wenn dieses keine Hybride ist 

Man kann deshalb bei den Pflanzen keinen allzu strengen Maßstab anlegen und wird sich auch mit der einen oder anderen Zuchtform abfinden müssen.

Doch VORSICHT!
Die in vielen Gärtnereien für Gartenteiche angebotenen Exoten, wie z.B. 
die Muschelblume, Pistia stratiotes,
der Büschelfarn, Salvinia auriculata
die Wasserhyazinthe, Eichhornia crassipes
und etliche andere sind tropische Gewächse, die man im Warmwasseraquarium halten kann, die aber selbstverständlich nichts in einem naturnahen Teich verloren haben.

Wurzelnde Pflanzen sollen ihren Nährstoffbedarf aus dem Wasser entnehmen das von den  Wurzeln  in den nährstoffarmen Sand gesaugt wird. 
Bei Sumpfpflanzen, die nährstoffreicheren oder lehmigen Boden verlangen, hat es sich bestens bewährt, in den ersten Jahren,  jedes Frühjahr je nach Größe der Pflanze eine oder mehrere getrocknete Lehmkugeln (Durchmesser 1-2 cm)  rund um die Pflanzen in den Sand zu drücken. 

Die meisten Schwimmpflanzen saugen ihre Nahrung über Wurzelfäden direkt aus dem Wasser.
Wasserpflanzen und Wassermoose nehmen Nahrung hauptsächlich durch ihre Blätter aus dem Wasser auf. Die Wurzeln dienen vorwiegend zur Verankerung.

mehr zu Pflanzen

 
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