Ein naturnaher Gartenteich kann - genau wie ein natürliches
Kleingewässer - (Stillgewässer) kaum mit dem ordentlichen Aussehen
eines, vorwiegend der Dekoration dienenden, sorgsam aufgeräumten Zierfischteiches
verglichen werden.
Die Natur muß eben aus Gründen des Erhalts der Artenvielfalt
ihrer eigenen Ordnung folgen, für die bei weitem nicht alle Menschen
Verständnis aufbringen können, da diese Ordnung doch erheblich
von der menschlichen Ordnungsliebe abweicht und oftmals schwer zu verstehen
ist.
Es ist deshalb verständlich, daß so manch echter Naturfreund
manchmal mit dem Gedanken spielt, sein (unordentliches) kleines Naturparadies
etwas zu verschönern oder vielleicht auch nur die Artenvielfalt durch
Schaffung eines zusätzlichen Lebensraumes noch zu erhöhen.
So wird immer häufiger der Gedanke nach einem Bachlauf
aufgeworfen und nach geeigneten Realisierungsmöglichkeiten recherchiert.
Aber ist diese Idee wirklich so gut?
Betrachten wir doch einmal natürliche kleine Gewässer!
Weitaus die meisten natürlichen kleinen Tümpel und Weiher
sind sogenannte Stillgewässer, mit nur während der Regenperioden
zu bemerkenden unscheinbaren Zu- und Abläufen, oder der Wasserstand
wird durch den Grundwasserspiegel geregelt, der auch für einen
Wasseraustausch (Frischwasser) sorgt. Ständige Wasserbewegungen sind
in solchen Gewässern so schwach, dass man sie kaum bemerkt.
Zu den Fließgewässern zählen Bäche, die oft
auch durch kleine Tümpel oder Weiher fließen. Durch Auswaschungen
haben sich manchmal auch in Bächen mit unterschiedlich starker Strömung
Tümpel gebildet.
In diesen Fließgewässern ist immer eine ganz spezielle
Fauna zu beobachten, die sehr perfekt dem Leben in mehr oder weniger starker
Strömung angepaßt, aber gleichzeitig auch auf ständig neues
Frischwasser angewiesen ist. Dieses kommt manchmal von gar nicht so weit
entfernten Quellen, ist in der Regel nicht sehr nährstoffreich, dafür
aber selbst während Hitzeperioden sehr sauerstoffreich und eigentlich
immer realativ kalt.
Ein natürliches Kleingewässer, in
das über einen Bachlauf immer dasselbe Wasser zurück fließt
gibt es definitiv nicht.
Welche übersehbaren Probleme könnten also entstehen, wenn
man versuchen würde, einen naturnahen Gartenteich aus einem kleinen,
etwas höher gelegenen Quellteich, in den das Teichwasser vorher hochgepumpt
wurde, mit demselben Wasser über einen Bachlauf zu speisen?
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Das erste und wichtigste Problem wäre die Wahl einer geeigneten
Pumpvorrichtung
die das Leben der Kleinlebewesen schont. |
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Im Sommer könnte sich bei warmem Wetter oder starker Sonneneinstrahlung
das Wasser in dem flachen Bachbett übermäßig stark erwärmen,
wodurch Sauerstoffmangel im gesamten System auftreten würde. |
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In kühlen Nächten würde die Wassertemperatur im flachen
Wasser des Baches wieder stark abgekühlt werden. Dadurch würden
in wensentlich kürzeren Zeitabständen auch noch wesentlich stärkere
Temperaturschwankungen im Teich auftreten, als sie normalerweise sowieso
schon in Kleingewässern vorkommen. |
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Der ohnehin schon nicht unbeträchtliche Nährstoffeintrag
aus der Luft würde sich durch die vergrößerte Wasseroberfläche
noch bedeutend erhöhen. |
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Zusammen mit der, im flachen Bachbett wesentlich wirksameren Sonneneinstrahlung
und Wassererwärmung könnte die Eutrophierung zu erheblichen
Algenproblemen im Bach und Teich führen. |
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In einem natürlichen Kleingewässer (Stillgewässer),
aber auch in einem naturnahen Gartenteich halten sich die meisten Kleinlebewesen
(verallgemeinert meistens als Plankton bezeichnet) ziemlich konstant in
- vereinfacht gesagt - drei Schichten auf.
- Auf und dicht unter der Wasseroberfläche.
(Neuston,
Pleuston)
- Im freien Wasser.
(Plankton)
- Dicht über dem Teichboden und im Substrat. (Benthos)
(Einzelheiten
dazu im Glossar in limno-kosmos)
Durch den Wasserstrom würde eine ständige Verwirbelung
stattfinden, die nicht nur möglicherweise, sondern mit Sicherheit
die für Stillgewässer ausgelegten Lebensbedingungen dieser
Wasserbewohner erheblich beeinträchtigen würde. |
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Die Anlage dürfte nie abgestellt werden, damit der Bach nicht
austrocknet und dadurch pflanzliche und tierische Organismen zerstört
werden. |
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Im Winter müßte der Betrieb jedoch eingestellt werden.
Dadurch wäre das Leben vieler benthischer Lebewesen im Bach durch
Erfrieren oder auch Austrocknen gefährdet. |
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Mit Sicherheit gibt es noch eine ganze Reihe von Fakten, die noch
nicht zu überblicken sind, aber Probleme bereiten könnten. |
Welche Organismen unter diesen (unnatürlichen) Umständen
auf Dauer überleben und sich vermehren könnten, ist nicht vorhersehbar.
Die Lebensgemeinschaften (Biozönosen) dürften aber vermutlich
erheblich von denen in natürlichen Kleingewässern und naturnahen
Gartenteichen abweichen.
Ein naturnaher Gartenteich mit Bachlauf würde in jedem Falle
nicht mehr die Funktion eines natürlichen Kleingewässers erfüllen.
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