| Wer Tiere hält, sollte sich auch der Verantwortung für
seine Schützlinge bewußt sein. Das gilt für jede Art von
Tieren doch besonders für Fische, die keine Schmerzenslaute von sich
geben können und deren Befinden an ihrem Verhalten für den Laien
nur schwer zu deuten ist und oftmals sogar völlig falsch interpretiert
wird.
Viel zu viele Fische verenden fast täglich unter unsagbaren
Umständen in bundesdeutschen Gartenteichen.
Der Gartenteichbesitzer sollte deshalb vor dem Erwerb von Fischen
überprüfen, ob er seinen erwählten Lieblingen überhaupt
eine annähernd
artgerechte Tierhaltung
garantieren kann. In den üblichen kleinen Gartenteichen ist das
normalerweise nicht möglich und deshalb eine ausgesprochene
Tierquälerei.
Bekannt sind einige Dutzend Fischkrankheiten, parasitäre und
nichtparasitäre.
Sie treten teilweise schleichend auf und sind in Gartenteichen nur
schwer zu erkennen und deshalb auch kaum wirksam zu bekämpfen. Viele
sind in der Aquaristik schon seit über hundert Jahren bekannt
und werden in Aquarien auch erfolgreich bekämpft.
Viel zu oft kann man leider auch die Empfehlung lesen, lieber einheimische
Fische als Goldfische in einen naturnahen Gartenteich zu setzen.
Dieser in naturschützerische Absicht gegebene
gut gemeinte Rat ist aus der Sicht des Arten- aber auch des Tierschutzes
leider gar nicht so gut wie er eben
mangels besseren Wissens "gemeint"
ist, denn einheimische Fische zählen zu den Wildtieren, deren Fang
und Verkauf eigentlich verboten ist. Inwieweit diese Tiere, wie häufig
behauptet, aus Nachzuchten stammen, läßt sich in der Regel
nur schwer nachprüfen.
1. Ein naturnaher Gartenteich soll ein
natürliches Kleingewässer ohne Zu- und
Abfluß ersetzen in dem selbstverständlich
aus vielerlei Gründen keine
Fische vorkommen, es
sei denn ein Tierfreund hat sie aus falsch
verstandener Tierliebe verbotenerweise
eingesetzt.
Das jedoch wissen leider nur noch die Naturliebhaber,
die schon vor 50 und
mehr Jahren ihre Nasen in jeden der damals
noch reichlich vorhandenen
Tümpel und Weiher gesteckt haben, oder sich
eingehend mit der Haltung
von Fischen beschäftigt und sich über
ihr Wohlbefinden Gedanken gemacht
haben.
2. Nahezu alle empfohlenen einheimischen Fischarten kommen in kühlen,
klaren Fließgewässern,
einige wenige auch in
nährstoffarmen Seen
mit Wasseraustausch
vor. Alle diese Fische sind sehr sauerstoffbedürftig
und zum Teil auch
gegen belastetes
Wasser recht empfindlich.
Das erfordert Bedingungen, die man den Tieren
in einem Gartenteich nur mit
sehr großem technischen Aufwand bieten
kann.
Dazu gehört mindestens eine ausreichend große und gut
funktionierende Filteranlage, regelmäßige Messungen der Wasserqualität
und teilweiser Wasserwechsel (je nach Schadstoffgehalt bis zu 50% alle
paar Tage, Wochen oder Monate).
Für ernsthafte, erfolgreiche Aquarianer
sind das schon seit über einem Jahrhundert absolute Selbstverständlichkeiten.
Es müßte deshalb für jeden
Naturliebhaber und Tierfreund einleuchtend sein, daß das Halten von
einheimischen Fischen in "naturnahen Gartenteichen", die für gewöhnlich
selten größer als 10 qm sind und meistens nur ein Wasser-
volumen von weniger als 4000 l haben, eigentlich an Tierquälerei
grenzt.
Nachfolgend einige, für
naturnahe Gartenteiche oft empfohlene einheimische Fischarten, ihr Vorkommen
und ihre Bedürfnisse.
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Europäischer Bitterling,
Rhodeus
sericeus amarus (Schwarmfisch)
Länge: bis 10 cm
Vorkommen: Ost- und Mitteleuropa in klaren, ruhig fließenden
flachen Bächen
und damit verbundenen Seen.
Er ist der, nur für nicht zu kleine
naturnahe Gartenteiche (ab ca. 60 qm, besser über 100 qm), geeignetste
Fisch, der in einem kleinen Schwarm gehalten werden sollte.
Für mulmfreie Sandzonen ist zu sorgen.
Regelmäßige Überprüfungen der Wasserqualität
an
der Oberfläche (20 cm) und über Grund sollten durchgeführt
und bei zu starker Schadstoffbelastung das Wasser über Grund
abgepumpt
werden.
Das interessante Laichverhalten ist allerdings
viel besser in einem mittelgroßen Kaltwasser-Aquarium zu beobachten,
wenn mit den Fischen gleichzeitig Malermuscheln, Unio pictorum gehalten
werden.
Annähernd artgerechte Haltung läßt
sich in einem Aquarium aufgrund der geringeren Wassermenge mit besser ausgeklügeltem
aber weit weniger voluminösem, technischen Aufwand garantieren.
Moderlieschen: Leucaspius
delineatus (Schwarmfisch)
Länge: bis 9 cm
Vorkommen: Europa, in klaren fließenden und sauerstoffreichreichen
stehenden Gewässer, die durch Fließgewässer verbunden sind.
Sie sind bedingt auch für größere
naturnahe Gartenteiche entsprechender Tiefe geeignet, wenn die täglich
und jahreszeitlich bedingten Sauerstoffschwankungen nicht zu groß
sind und sandbedeckte Zonen vom Mulm freigehalten
werden.
Sie sollten nur im Schwarm (mindestens 6 Stck.)
gehalten werden und können sich bei guten Umweltbedingungen sogar
vermehren. Deshalb ist auf die Gefahr einer Überbesetzung zu achten.
Ansonsten gelten die gleichen Bedingungen
wie unter Bitterling beschrieben.
Laube, Ukelei, Weißfisch,
Alburnus
(lucidus) alburnus (Schwarmfisch)
Länge: bis über 20 cm
Vorkommen: Europa, in langsam fließenden sauberen Gewässern,
Teichen
und Seen mit Wasseraustausch.
Für Gartenteiche unter 100 qm nicht geeignet.
Temperatur darf 18° C nicht übersteigen.
Alle weiteren Arten sind für
naturnahe Gartenteiche nicht geeignet.
Elritze, Phoxinus
phoxinus (Phoxinus láevis)
Länge: bis 12 cm
Vorkommen: nördliches Europa und Asien in klaren,
fließenden und
sauerstoffreichen Gewässern mit sandigem Bodengrund.
Gründling,
Gobio
gobio (G. fluviatilis)
Länge: bis 15 cm
Vorkommen: Europa und nördliches Asien in klaren, fließenden
Gewässern
und nähstoffarmen, größeren Seen.
Schneider, Alburnoides
bipunctatus (Schwarmfisch)
Länge: 14 cm
Vorkommen: Europa in Flüssen und mit ihnen verbundenen Vorgebirgsseen
Der ausschließlich in Asien und der östlichen
Sowjetunion vorkommende Verwandte A.taeniatus darf nicht in einheimischen
Gewässern ausgesetzt werden.
Bachschmerle, Schmerle,
Barbatula
barbatula
Länge: über 16 cm
Vorkommen: Mittel- und Osteuropa in schnell fließenden Bächen
und Flüssen.
Sehr sauerstoffbedürftig, für eine dauerhafte artgerechte Haltung
nur im Aquarium ist fließend Wasser unbedingt erforderlich.
Steinbeißer, Dorngrundel,
Cobitis
taenia
(zählt zu den Cobitinae, Schmerlen)
Länge: 12 cm
Vorkommen: Europa, Westasien in klaren fließenden Gewässern.
Sehr sauerstoffbedürftig.
Groppe, Koppe, Cottus gobio
Länge: bis 18 cm
Vorkommen: Mittel- und Osteuropa in sauerstoffreichen Flüssen
Kaulbarsch, Gymnocephalus
cernua
Länge: 25 cm
Vorkommen: Nordeuropa, Asien in nicht zu träge fließenden,
sauerstoffreichen
Flüssen.
Stichlinge, Dreistacheliger,
Gasterosteus
aculeatus
Neunstacheliger, Pungitius pungitius
Länge: beide um ca. 8 cm
Vorkommen: Europa in Tümpeln und Seen, oft verkrautet und eutrophiert.
Obwohl Stichlinge
am ehesten für naturnahe Teiche geeignet wären, ist ihr
Einsetzen unbedingt
zu vermeiden. Beide Arten sind nachgewiesener-
maßen
ausgesprochene Amphibienlaichräuber und verschmähen selbst-
verständlich
auch Wasserinsekten und ihre Larven nicht.
Die drei aus Amerika oder Canada stammenden
Stichlingsarten, die zur selben Familie der Gasterosteide zählen,
sind wegen ihrer Kleinwüchsigkeit für die Aquarienhaltung besonders
geeignet und deshalb auch eingeführt worden.
Das Aussetzen in heimische Gewässer ist
verboten und sollte auch in Gartenteichen unterlassen werden.
Graskarpfen, Ctenopharyngodon
idella
Länge: bis 120 cm
Vorkommen: Osasien, jetzt auch in vielen Gewässern, vor allem
Anglerteichen
in Mitteleuropa eingebürgert um darin wuchernde Pflanzen
möglicherweise in Grenzen zu halten.
Er ist wie etliche der Familie
der Cyprinidae (Karpfenfische) angehörigen
Fische auch gegen stark eutrophiertes
Wasser recht unempfindlich, deshalb
auch in kommerzielle betriebenen
Fisch- und Angelteichen überlebensfähig.
Als Algenfresser für die
Algenbekämpfung ist er allerdings stark umstritten.
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