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| Destilliertes oder demineralisiertes Wasser ist steril, immer klar
und trübt sich theoretisch selbst nach sehr langer Zeit nicht ein,
solange es sich in einem geschlossenen Gefäß befindet und wenn
dessen Wandung keine Mineralien an das Wasser abgibt. Wegen der fehlenden
Nährstoffe können sich auch Algen - selbst bei starker
Exposition - nicht vermehren.
Wird das Gefäß geöffnet, so werden über die
Wasseroberfläche mit dem Staub aus der Luft anorganische und organische
Nährstoffe sowie Bakterien und Sporen eingetragen. In dem Wasser vermehrt
sich Leben und das Wasser kann im Extremfalle sogar trüb werden oder
veralgen.
Für einen Gartenteich mit offener Wasseroberfläche, mineralischem
Bodensubstrat und jeder Menge organischem Material wie Pflanzen und Tieren,
sind also von Haus aus die besten Bedingungen für ein Eintrüben
oder Veralgen des Wassers bereits vorgegeben, vor allem, wenn das Wasser
durch die Exkremente von Fischen zusätzlich eutrophiert wird. Es kommt
dann darauf an, Algen und Trübungen über einen begrenzten Zeitraum
mit technischen Einrichtungen soweit in Grenzen zu halten, dass sie nicht
als Störung empfunden werden.
In jedem natürlichen Kleingewässer, aber auch in naturnahen
Gartenteichen werden Wasserreintrübungen und Massenvermehrung
von Algen immer durch das ökologische Gleichgewicht so lange verhindert,
wie dieses Gleichgewicht nicht gestört wird.
Trotzdem können sich in einem natürlichen Kleingewässer
oder einem richtig eingerichteten naturnahen Gartenteich ausnahmsweise
zeitweise Trübungen einstellen.
Sie können folgende Ursachen haben:
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| 1. |
Ton und feiner Sand in einem neu eingerichteten Teich
Das Wasser ist hellbräunlich, milchig, grau oder gelb getrübt
bei einem neu eingerichteten Teich.
Hellbraune Trübungen entstehen meistens durch das Herauslösen
von Farbstoffen aus organischen Überresten (z.B. Torf oder Laubreste)
im Substrat.
Milchiggraue und gelbeTrübungen werden von mikroskopisch kleinen
Partikeln verursacht, die aus lehmhaltigem Substrat im Wasser aufgeschwemmt
werden.
Das Bodensubstrat sollte vorzugsweise aus Magersand bestehen.
Magersand ist mehr oder weniger
gut gewaschener (Quarz-) Sand, wie er bei der Herstellung von Maurerputz
oder aber auch als Ausgangsmaterial für die Einrichtung von Aquarien
verwendet wird und oft Lehmreste enthält.
Lehm ist ein Gemisch aus
Ton, Schluff und Sand mit unterschiedlichen Partikelgrößen. |
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| Ton hat eine Partikelgröße von bis
zu 2 µm
Schluff hat eine Partikelgröße
von 2 µm bis 63 µm
Sand hat eine Partikelgröße
von 63 µm bis 2 mm |
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| 2. |
Aufgewirbelter Mulm
Staub, Exkremente von Tieren, abgestorbene Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen,
kurz alle Schwebepartikel werden als Detritus
bezeichnet, der langsam zu Boden sinkt und eine Mulmschicht bildet. In
dieser Mulmschicht ist reichlich lebende Nahrung in allen Größenordnungen
enthalten. Sie wird deshalb von vielen Insekten- und Amphibienlarven als
ständiger Aufenthalt genutzt. Adulte Amphibien überwintern gern
in dicken Mulmschichten.
Wird eine solche Mulmschicht aufgewirbelt, so trüben die feinen
Partikel das Wasser.
In Schwimmteichen, in denen eine solche Wassertrübung selbstverständlich
äußerst unerwünscht ist, aber auch in Zierfischteichen,
in denen die Detritrusbildung durch die Ausscheidungen der Fische besonders
stark ist, versucht man das Wasser durch den Einsatz von Partikelfiltern
wieder zu klären.
In naturnahen Gartenteichen ist es meistens erst nach etlichen Jahren
erforderlich, eine zu dick gewordene Mulmschicht teilweise zu entfernen.
(s. Pflege nach einigen Jahren)
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| 3. |
Starke Bakterienentwicklung
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Helle milchige Wolken, vorzugsweise am Boden, in einem naturnahen
Gartenteich bei unbewegtem Wasser von einer bestimmten Stelle ausgehend.
Hier handelt es sich anfangs um Bakterien, die organische Materie
aufarbeiten.
Ein toter Frosch, ein Vogel eine Maus, oder ein anderes Tier, in
selteneren Fällen aber auch eine abgestorbene größere Wasserpflanze
lösen die Massenentwicklung von Saprophyten
aus.
Auch mit einer guten Lupe können bei Betrachtung einer Wasserprobe
keine, die Trübung des Wassers verursachenden Organismen erkannt werden,
da einzelne Bakterien mikroskopisch klein sind.
Das Überangebot an Nahrung in Form von Bakterien fördert
die Massenvermehrung von Ein- und Mehrzellern, die sich von diesen Bakterien
ernähren, wie z.B. Goldalgen, Zooflagellaten,
Amöben,
Wimpertiere oder vielzellige Rädertiere.
Nach wenigen Tagen kann man oft farblich leicht veränderte Wolken
von Flagellaten beobachten. Einzelne dieser Organismen sind mit einer
guten Lupe kaum zu erkennen, denn die meisten haben nur Größen
von weniger als 50 µm. |
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| Bei den Bakterien handelt es sich nicht nur um eine
einzige Art, sondern um etliche verschiedene Arten von Saprophyten. |
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| Bereits kurze Zeit nach der Bakterienentwicklung finden
sich die ersten Einzeller ein, die sich von Bakterien ernähren. Es
sind nicht näher bestimmte zweigeißelige Flagellaten,
ca. 2 bis 3 µm groß. |
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| Bald danach tauchen auch die ersten Amöben auf,
die sich ebenfalls von Bakterien ernähren und dadurch das Wasser wieder
reinigen. Größe ca. 6-8 µm. |
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| Auch lange Ketten von Blaualgen, Proteus
vulgaris, typische Fäulnisbakterien entwickeln sich auf Fleisch
und verstärken weiter die Wassertrübung. |
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| Nach einigen Tagen sind die meisten
Bakterien von kleineren Wimpertieren aufgefressen. Hier der Zwerginfusor,
Microthorax
pusillus, ca. 25 µm. |
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| Außer den Bakterienketten wurden auch die meisten
Flagellaten und Anöben von den etwas größeren Wimpertieren,
ca. 50 bis 60 µm aufgefressen. |
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Entdeckt man mit einer Lupe Lebewesen die sich schnell bewegen,
dann ist der Abbau der toten Substanz bereits weiter fortgeschritten und
es handelt sich dann für gewöhnlich um große Wimpertiere
oder Rädertiere.
Viel größer und deshalb auch leicht zu erkennen sind
Ruderfußkrebse
und ihre Nauplien, die sich
bei dem großen Nahrungsangebot ebenfalls stark vermehren.
Wird die Tierleiche rechtzeitig entdeckt und entfernt, lösen
sich die Wolken schnell wieder auf.
Wenn dieser Prozess in einem gut bepflanzten, sauerstoffreichen Gewässer
stattfindet, haben die Bakterien nach wenigen Tagen den toten Organismus
zersetzt. Nachdem die Bakterienfresser (vielleicht auch Bakteriophagen)
die Bakterien aufgefressen haben, ist der Prozess abgeschlossen und das
Gewässer hat keinen dauerhaften Schaden genommen.
Wenn die Tierleiche im Verhältnis zum Gewässer aber sehr
groß ist, z.B. eine tote Katze in einem Teich mit weniger als 3000
l Wasser, dann kann es zu ernsthaften Problemen bis zum Umkippen des Gewässers
kommen.
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| 4. |
Massenvermehrung von Schwebealgen (Wasserblüte)
Eine Trübung des Wassers durch Massenvermehrung von Schwebealgen
(Wasserblüte) ist in eingefahrenen naturnahen Gartenteichen die Ausnahme
und dauert dann meistens auch nur wenige Tage.
Da sie von verschiedenen Algen
hervorgerufen werden kann, kann das Wasser auch unterschiedliche Färbungen
annehmen von dunkelgrün über hellgrün, gelb und manchmal
sogar bis rot. Im letzteren Falle handelt es sich oft um die fantastisch
aussehende Blutregenalge Haematococcus pluvialis, die allerdings
öfter in Regentonnen und Weihwasserbecken zu beobachten ist als in
naturnahen Gartenteichen.
Rote Wassertrübung in einem stark eutrophierten Zierfischteich
kann von der Burgunderblutalge, Planktothrix rubescens verursacht
worden sein und ist sehr bedenklich, da diese Algen toxische Eiweißprodukte
enthalten, die für die Fische tödlich sein können. |
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