| Algen haben in der Bevölkerung ein recht schlechtes Image: Fischteichbesitzer,
Gartenteichliebhaber, Aquarianer usw. führen gegen sie einen verbissenen
und vielfach aussichtslosen Kampf.
Ganz anders stellt es sich aber dar, wenn man vom Aspekt der Bedeutung
für die Natur her betrachtet. Ihre Funktionen sind für die Biozönosen
und das nicht nur aquatischer Biotope, unerläßlich. Einerseits
sind sie wichtige Glieder in der Nahrungskette, andererseits wiederum
greifen sie gravierend in die chemischen und physikalischen Gegebenheiten
der Gewässer ein.
Sie haben daneben aber auch eine praktische Bedeutung als Versuchsobjekte
auf vielen Gebieten der biologischen Grundlagenforschung.
Ganz wichtig sind sie aber als Bioindikatoren bei der Wassergütebeurteilung.
Der überwiegende Teil der Algen ist gegenüber ihren Milieuansprüchen
nämlich außerordentlich differenziert und sensibel und stellen
hiermit ganz außerordentlich genaue Gradienten für die
Qualität der Gewässer und deren chemischen und physikalischen
Parametern
dar.
Die Untersuchung der Algenvegetation eines Gewässers liefert Werte,
die auf Langzeitwirkung beruhen, während chemische Untersuchungen
letztlich nur den Momentanzustand widerspiegeln.
Aus den Algenlisten kann der Fachmann mit ziemlicher Genauigkeit herauslesen
von welcher Kathegorie von Gewässern sie erstellt wurden. So kann
man ganz eindeutig daraus ableiten, ob es sich dabei um ein Fließgewässer,
einen Teich, einen See oder eine Moorschlenke handelt.
Gerade bei Moorgewässern fallen die feinen Niancen der
Milieubedingungen
ganz besonders auf. Moore allgemein sind nämlich die speziellen Biotope
der Zieralgen (Desmidiaceen).
Das Vorkommen ganz spezieller Populationen hängt überwiegend
vom pH-Wert des untersuchten Moorgewässers ab. So weisen etwa stark
saure Moorschlenken, deren Erscheinungsbild in der Regel durch dichten
Torfmoosbewuchs gekennzeichnet ist, eine wesentlich andere Zieralgenflora
auf, als etwa mäßig oder schwach saure. Dabei gilt die Faustregel:
Saures Milieu ist ein Extremstandort, darin zu gedeihen ist nur relativ
wenigen Spezialisten vorbehalten und Proben aus solchen sind daher artenarm,
dafür aber individuenreich. Proben aus mäßig sauren Standorten
sind hingenen artenreich, die Zahl der Individuen, bezogen auf die einzelnen
Arten, ist hingegen bedeutend kleiner.
Bei Mooren, die mehr oder minder anthropogenen Einflüßen
ausgesetzt sind oder waren, ist ein ganz eklatanter Artenschwund
in der Algenflora nicht zu übersehen und es überwiegen dann weitgehend
die Ubiquisten, Arten also, die eine sehr große Toleranzbreite
bezüglich ihrer Umweltansprüche aufweisen. Selbst wenn makroskopisch
eine solche Beeinflußung anhand höherer Pflanzen zunächst
kaum erkennbar ist, gibt uns die Algenflora untrüglichen Aufschluß
darüber. Beispiele dafür könnte ich zur Genüge anführen.
So gibt uns die Untersuchung der Algenflora reichhaltigen Aufschluß
über die verschiedensten Zustände ihres Lebensraumes und der
darin herrschenden Lebensbedingungen und findet in der Praxis auch allgemein
Anwendung.
Ein ganz anderer und vielleicht gar etwas befremdender Aspekt ist, daß
Algen auch schön sind.
Dies trifft für alle Algenstämme zu, ganz besonders aber für
die Kieselalgen und die Zieralgen.
Prof.
Rupert Lenzenweger
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