| Die Desmidiaceen verdanken ihre Bezeichnung, "Zier - oder Schmuckalgen"
ihrer auffälligen, stark ausgeprägten Symmetrie. In der Algensystematik
gehören sie innerhalb des Stammes der Chlorophyta (Grünalgen)
aufgrund des als Konjugation bezeichneten Modus ihrer geschlechtlichen
Fortpflanzung zur Klasse der Konjugaten. Zufolge molekularer, ultrastruktureller
und biochemischer Befunde werden sie neuerdings aber den Charophyta
(Armleuchteralgen) zugeordnet.
Morphologie und Taxonomie
In der Regel sind die Desmidiaceen einzellige Algen, nur wenige Gattungen
bilden lose zusammenhängende Algenfaden (Hyalotheca, Desmidium).
Die Dimensionen sind von Art zu Art stark unterschiedlich, meist aber dementsprechend
klein (zwischen 5 µm und 500 µm). Charakteristisch für
die Desmidieceenzellen ist ihre Gliederung in zwei spiegelbildgleiche Zellhälften,
wobei diese durch einen mehr oder weniger ausgeprägten unterschiedlichen
Isthmus in der Zellmitte miteinander verbunden sind. Die Zellformen reichen
von einfachen länglichen, geraden oder leicht gebogenen Zellen (Gattungen
Closterium,
Pleurotaenium, Penium)
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Pleurotaenium, Penium, Closterium
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bis hin zu scheibenförmigen, lappig-zerschlitzten Formen (Gattungen
Euastrum,
Micrasterias) wodurch der Eindruck einer auffallenden Symmetrie
eher noch verstärkt wird.
Zusätzlich besitzen sehr viele Zellen Fortsätze in Form einfacher
oder gegabelter Stacheln, Wärzchen usw., aber auch die Skulptur der
Zellwände kann durch Leisten, Grübchen, Poren usw. artspezifisch
recht unterschiedlich ausgeprägt sein. |
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Micrasterias,
Euastrum
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Xanthidium,
Staurastrum
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Cosmarium (Zellwand)
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Die Zahl der bisher in Deutschland beobachteten Taxa beläuft sich
auf ungefähr 800, aus Österreich sind bisher etwa 900 Taxa bekannt.
Die in Österreich höhere Zahl resultiert wohl aus den arktisch-alpinen
Florenelementen im vergleichsweise höheren Gebietsanteil subalpiner
und alpiner Regionen.
Die wichtigsten in Europa vorkommenden Gattungen sind:
Gonatozygon, Penium, Closterium, Pleurotaenium, Docidium, Tetmemorus,
Euastrum, Micrasterias, Actinotaenium, Cosmarium, Cosmocladium, Xanthidium,
Arthrodesmus, Staurodesmus, Staurastrum, Hyalotheca, Spondylosium, Onychonema,
Teilingia, Bambusina, Desmidium.
Vermehrung
Nach der Zellkernteilung (Mitose) beginnt die eigentliche Zellteilung
mit der Anlage einer
Trennwand (Septum) in der Mitte der Verbindungsstelle der beiden Zellhälften,
die sich als Primärwand im weiteren Verlauf zu zwei neuen Zellhälften
auswächst (B-C). Nach
abgeschlossener Ausbildung der Zellhälften und der Sekundärwand
trennen sich die beiden Zellen (D), von denen jede zwei ungleich alte Zellhälften
besitzt: Die ältere stammt von der ursprünglichen Zelle, die
jüngere hat sich im Verlauf der Teilung neu gebildet.
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Zellkernteilung (Mitose)
S = Trennwand (Septum)
K = Zellkerne |
Geschlechtliche Fortpflanzung
Ursprünglich vegetative Zellen werden zu Geschlechtszellen (Gametangien)
umgebildet, jeweils zwei legen sich aneinander (E) bilden sog. Kopulationspapillen
aus, die sich vergrößernd zu
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Verbindungskanälen auswachsen (F bis J), in denen die zu Gameten
gewordenen Zellen sich auf osmotischem Wege aufeinander zubewegen und zu
einer Zygospore (K) verschmelzen. Diese sind dreiwandig, glatt oder besitzen
von Art zu Art unterschiedlich gestaltete Auswüchse. Nach einer Ruhepause
erfolgt nach Kernverschmelzung und Reduktionsteilung die Keimung. Die aus
der Keimblase (L) austretenden Keimlinge (M-N) unterscheiden sich meist
wesentlich von den vegetativen Zellen und erst nach weiteren vegetativen
Teilungen werden von den vegetativen Zellen aliquote ZelIhälften gebildet
(O-W). |
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Zygote von Micrasterias papillifera
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Zygote von Closterium rostratum
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Ökologie, Vorkommen und Verbreitung
Der Großteil der Desmidiaceen kann nur unter absolut sauberen,
unbelasteten Mileubedingungen leben, nur einige wenige Taxa ertragen auch
mäßige Umweltbelastungen. Ihren maximalen Artenreichtum entfalten
sie in mäßig bis schwach sauren Gewässern von Flach-und
Zwischenmooren, in Schwingrasen von Moorseen, man kann bestimmte Arten
aber auch in Vernässungen und sonstigen Feuchtstellen aller Höhenstufen
und auch auf feuchter Erde und zwischen nassen Moosen finden. Im Plankton
unbelasteter Seen und Teiche kommen zeitweise hauptsächlich Arten
der Gattung Staurastrum vor.
Eine ganz spezielle Desmidiaceenflora finden wir auch in den stark
sauren Gewässern von Hochmooren, wobei hier ganz besonders der hohe
Säuregrad (pH-Wert) einen selektiven Faktor für das Vorkommen
nur ganz bestimmter Taxa darstellt. Unterschiedliche pH-Werte bedingen
sowohl unterschiedliche Artenzahlen als auch charakteristische Artenspektren:
Je saurer ein Standort ist, um so weniger, dafür aber spezialisierte
Arten kommen in großer Individuenzahl darin vor, mit abnehmendem
Säuregrad mehr Arten mit jeweils geringerer Individuendichte.
Desmidiaceen sind von hohen nördlichen und südlichen Breiten
bis hin zu den Subtropen und Tropen weltweit verbreitet. Viele der besonders
milieuabhängigen Taxa sind als Kosmopoliten auf allen Kontinenten
beheimatet, die Mehrzahl jedoch hat eine kontinental - bezw. zonalspezifische
Verbreitung.
Gefährdung
Die Tatsache, daß der Großteil der Desmidiaceen stark milieuabhängig
ist, und diese daher auch nicht ,,ausweichen" können, hat zur Folge,
daß ihr Vorkommen an die Existenz entsprechender Lebensräume
(Biotope) gekoppelt ist. Das bedeutet zugleich aber auch, daß deren
Zerstörung oder weitgehenden Beeiträchtigung damit auch ein Verschwinden
oder eine entsprechende Reduzierung der Desmidiaceenpopulationen bewirkt.
Da Moore und Feuchtwiesen durch Trockenlegungen, Moorseen durch ausufernden
Badebetrieb, alpine Feuchtgebiete durch Anlage neuer Skipisten oder sonstiger
Umtriebe usw. auch jetzt noch immer skrupellos zerstört werden, gehören
Desmidiaceen zu Recht einer stark gefährdeten Organismengruppe an,
davon zeugen nicht zuletzt auch die langen Reihen von deren Namen in den
"Roten Listen gefährdeter Pflanzen". Es soll aber auch nicht unerwähnt
bleiben, daß durch Anlage von Dämmen und damit Bildung von Altwässern
auch, "Biotope aus zweiter Hand" entstehen, in denen sich nach entsprechender
Zeit eine respektable Desmidiaceenflora (mit sogar für Europa neuen
Taxa) einstellt, wie der Autor in den Donauauen der Lobau bei Wien feststellen
konnte.
Der Bestand und Erhalt dieser wunderschönen, zierlichen Algenformen
ist nur durch Schutzmaßnahmen ihrer Lebensräume gewährleistet,
die aber schleunigst erfolgen sollten, bevor es endgültig zu spät
ist. Nur dann werden auch spätere Generationen von Naturwissenschaflern
und Naturliebhabern in den ästhetischen Genuß ihrer Symmetrie
und Formenfülle kommen.
Die nachfolgenden Bildtafeln sollen einerseits einen Eindruck von der
Formenvielfalt der heimischen Desmidiaceenflora vermitteln, andererseits
auch eine Bestimmungshilfe für die am häufigsten bei uns vorkommenden
Zieralgen sein.
Prof. Rupert Lenzenweger
Alle Fotos, Zeichnungen und Beschreibungen: Prof. Rupert
Lenzenweger.
Vervielfältigungen jeder Art, auch auszugsweise,
sind nur nach vorheriger Zustimmung von
Prof. Rupert Lenzenweger und nur mit Quellenangabe
gestattet.
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.....3sat-Video vom 11. März 2002 |
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