Desmidiaceen aus untypischen Standorten
Desmidiaceenfunde in Radspuren  und in Sand-,  Lehm- und Schottergruben
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Zieralgen aus untypischen Standorten 

Geht man bei der Beurteilung des Vorkommens einer Tier – oder Pflanzenordnung davon aus, 
in welcher Umwelt oder unter welchen Milieubedingungen diese mit den meisten Arten vertreten ist, so ist dies  in erster Linie natürlich eine Frage der Anpassung und der Spezialisierung auf mitunter recht eng begrenzte chemische oder physikalische Bedingungen eines Lebensraumes. Bei den Zieralgen sind es zu einem sehr hohen Prozentsatz  zweifellos die Moorgebiete unterschiedlicher Ausprägung, in denen sie ihre maximale Artenvielfalt aufweisen. Das schließt andererseits aber nicht aus, dass vereinzelt Zieralgen auch an ungewöhnlichen  Standorten anzutreffen sind, also unter Lebensbedingungen , unter denen man sie nicht vermuten würde. 

Solche sind unter anderem Kleingewässer, die in Hitzeperioden gänzlich oder fast vollständig austrocknen. Es sind dies in erster Linie Radspuren auf Wald - Feldwegen oder auch  Vertiefungen in  Sand - Lehm - und Schottergruben, die sich nur nach Regenfällen mit Wasser füllen und nach dessen Verdunstung lediglich ein erdfeuchter Bodengrund eine längere Zeit erhalten bleibt. Dieser ist dann vielfach von einem braungrünen Algenfilm überzogen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Cyanobakterien (Blaualgen), fadenbildende Grünalgen (Zygnema  spec.),zwischen finden sich vereinzelt aber auch Diatomeen (Kieselalgen) und  Desmidiaceen (Zieralgen). 
Bei der Untersuchung solcher Algenfilme wurden bislang hauptsächlich folgende Zieralgen gefunden: 
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Closterium pseudolunula BORGE (Fig. 1) Zellen wenig gebogen, gegen die Enden zu gleichmäßig verschmälert, Ventralrand fast gerade, Dorsalrand konvex abgeflacht. Zellwand kaum erkennbar sehr zart gestreift, mehrere Pyrenoide entlang der Zellachse, Endvakuolen mit vielen kleinen Kristallen. 
Dimensionen: 250-350 mµ lang, 30-40 mµ breit. 


Actinotaenium colpopelta  (BREB.) COMPERE (Fig. 2) ist  breit elliptisch mit seichter, weit geöffneter Mitteleinschnürung, Zellwand mit dicht stehenden, feinen Poren,  je Zellhälfte ein großer Pyrenoid. 
Dimensionen:  53-57 mµ lang und 32-34 mµ breit, Isthmus 25 µm.

Cosmarium speciosum LUNDELL var. simplex NORDSTEDT (Fig. 3) im groben Umriss breit elliptisch, Zellränder gewellt,  Zellenden breit abgerundet, Mitteleinschnürung seicht, durchwegs geschlossen. Zellwand mit    zarten Poren, je Zellhälfte ein Pyrenoid. 
Dimensionen: 38-42 mµ lang, 24-26 mµ breit, Isthmus 14-16 mµ. 

Cosmarium anceps LUND. (Fig. 4) im groben Umriss angedeutet trapezförmig, Zellhälften gegen die breiten, schwach eingedellten Zellenden zu verschmälert. Mitteleinschnürung seicht, nach außen stark erweitert. Zellwand glatt, je ein Pyrenoid je Zellhälfte. 
Dimensionen: 30-33 mµ lang, 15-17 mµ breit, Isthmus 11-13 mµ.

Cosmarium meneghinii BREB. In RALFS (Fig. 5), im groben Umriss rechteckig mit jeweils zwei seitlichen Wellen, Zellenden schwach eingedellt, ein Pyrenoid je Zellhälfte. 
Dimensionen: 18-22 mµ lang, 13-15 mµ breit, Isthmus 6-8 mµ.

Allen diesen Arten ist gemeinsam, dass sie sehr wohl in der Lange sind, längere Zeit lang mit nur geringer Feuchtigkeit auszukommen und mitunter auch völlige Trockenheit zu überdauern. Es wäre sicher eine genauere Untersuchung wert, welche Strategie ihnen dies ermöglicht. Eine eventuell vor dem Austrocknen schützende Gallerthülle war bei keiner der untersuchten Zellen vorhanden. 
 
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