So umfangreich wie die Vielfalt an Pflanzen und Tieren in einem
Gewässer ist, so komplex sind auch die biologischen Vorgänge,
die nicht nur das Überleben sondern auch die Fortpflanzung jeder Art
möglich machen.
Obwohl in den meisten Biotopen sehr viele Arten zusammen leben,
stellt jede doch ihre ganz speziellen Bedingungen an ihre Umwelt,
wie z.B. die Größe des Lebensraumes (Biotop), die Temperatur,
den Lichteinfluß, die anderen Arten usw.
Wird auch nur eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, dann wird
sich diese Lebensgemeinschaft (Biozönose) auf Dauer nicht erhalten
können.
Das ist oftmals nicht leicht zu verstehen, doch das Problem wird
sofort erkannt, wenn man etwas übertreibt.
Ein großer Karpfen mit etwa 1 m Länge würde in einem
kleinen Teich von 2 m Durchmesser
in einem Tag alle Futtertiere auffressen. Danach würde
er verhungern, in Verwesung übergehen und die relativ kleine Wassermenge
in eine stinkende Flüssigkeit verwandeln, in der für einige Zeit
den allermeisten Wasserbewohnern jede Überlebensmöglichkeit genommen
wäre.
Doch das dauert nicht lange, denn die Natur ist zu Unglaublichem
fähig. Bereits bei Beginn der Zersetzung durch Bakterien, die das
organische Material zu anorganischem mineralisieren, setzt schon die Selbstreinigung
ein, die die Basis der gesamten Gewässerbiologie bildet und als
BIOGENER STOFFKREISLAUF (SCHWOERBEL, Süßwasserbiologie)
bezeichnet werden kann.
Der biogene Stoffkreislauf verläuft in den folgenden drei Stufen:
1. Produktion (Aufbau = Wachstum von Pflanzen und Tieren))
2. Konsumierung (Verzehr der Produktion)
3. Destruktion (Abbau von toten Organismen und Mineralisierung)
Wie alle biologischen Vorgänge ist auch dieser Stoffkreislauf
recht kompliziert mit vielen Zwischenstufen und vielen parallel ablaufenden
Funktionen.
Um den gesamten Vorgang des biogenen Stoffkreislaufes möglichst
übersichtlich zu machen, beschränken wir uns in unserem stark
vereinfachten Beispiel in einem gedachten , sehr kleinen Biotop, auf nur
je eine Art in jeder der drei Stufen.
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| 1. Produktion - Geisselalgen |
2. Konsum - Wasserflöhe |
3. Destruktion - Bakterien |
1. Produktion
Als Beispiel-Pflanzen verwenden wir aus dem Phytoplankton mikroskopisch
kleine Algen mit je einer Schwimm- und Schleppgeissel. Die meisten planktischen
Algen sind, obwohl sie Pflanzen sind, sehr beweglich, manche sind sogar
ausgesprochene Schnellschwimmer.
In jedem Gewässer sind eine Reihe von anorganischen Gasen und
Feststoffen gelöst, z. B.
Kohlenstoff, Ammonium, Nitrat, Phosphor und etliche andere als Spurenelemente.
Autotrophe grüne Pflanzen, wie unsere Algen, können mit
Hilfe des Lichtes (Photosynthese) diese anorganischen Nährstoffe in
Energie umwandeln und organische Materie assimilieren (aufbauen). Sie wachsen
und vermehren sich, solange die Nährstoffe reichen und erzeugen dabei
den für die Tiere notwendigen Sauerstoff.
2. Konsumierung
Als Konsumenten haben wir Wasserflöhe gewählt, die die
Mikroalgen fressen, denn heterotrophe Tiere können die anorganischen
Nährstoffe nicht verwerten und sind in der Regel auf die Zufuhr von
organischen Nährstoffen angewiesen.
Ihre Stoffwechselprodukte (Exkremente) sinken als Detritus zu Boden
ebenso wie die abgestorbenen Konsumenten.
3. Destruktion
Als Destruenten agieren hier Fäulnisbakterien, die die organischen
Überreste zersetzen.
Der Abbau von organischer Substanz geschieht vorwiegend durch diese
Bakterien, die das organische Material mineralisieren und wieder in anorganisches
Material umwandeln, wie z.B. in Kohlenstoff.
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