| Nahrungsketten in natürlichen Kleingewässern
und naturnahen Gartenteichen
Alle Organismen sind durch ihre Nahrungsaufnahme miteinander auf die
verschiedensten Weisen verbunden und bilden sogenannte Nahrungsketten
die
aus Produzenten und Konsumenten
bestehen. Zu den Produzenten zählen die Pflanzen, die mit Hilfe
der Photosynthese oder Chemosynthese aus anorganischen Substanzen organische
synthetisieren können. Die Tiere sind dazu nicht fähig
und gehören der Gruppe der Konsumenten an.
Die ersten Glieder einer Nahrungkette sind in der Regel Pflanzen, die
wiederum von pflanzenfressenden Tieren konsumiert werden. Diese Pflanzenfresser
werden oft von größeren Raubtieren gefressen, so dass man die
Rollenverteilung Produzenten, Konsumenten nicht zu eng begrenzt sehen
darf.
Die übersichtlichsten und einfachsten Nahrungsketten findet man
bei Pflanzen und großen Tieren, z.B. werden Kräuter als
unterstes Glied von Rehen gefressen, die von Wölfen
gejagt und gerissen werden.
Je kleiner die Organismen werden, desto länger und manchmal auch
komplizierter kann auch die Nahrungskette werden.
Beispiel:
Pflanzentriebe > Blattläuse >
Marienkäfer
> Vögel > Katzen > (Füchse)
Sehr komplex können die Nahrungsketten bei Bodenbewohnern aber
vor allem bei Wasserbe- wohnern wegen ihres Artenreichtums werden.
Da es hier nicht nur ausgesprochene Nahrungsspezialisten gibt, sondern
das Vorkommen vieler Arten z. T. auch von den Jahreszeiten abhängt,
existiert eigentlich eine Vielzahl von Nahrungsketten die oftmals
nicht eng begrentz werden können.
Um überhaupt einen ungefähren Überblick zu bekommen
wurden hier beispielsweise in jeder Gruppe nur einige Organismen
zusammengefasst, wie sie in einem natürlichen Kleingewässer
oder in naturnahen, d.h. fischlosen Gartenteichen vorkommen.
Als Kleingewässer werden hier alle (noch) natürlichen Stillgewässer
unter 200 qm Wasseroberfläche bezeichnet in denen normalerweise
nie Fische vorkommen.
| 1. |
Am Nahrungskettenanfang stehen viele Arten von Bakterien, Blaualgen,
mikroskopisch
kleine Grünalgen, Rotalgen und Pilze. |
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| 2. . |
Zooflagellaten, kleine Wimpertiere,
Amöben,
kleine Rädertiere und andere kleine autotrophe und heterotrophe
Ein-
und Mehrzeller. |
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| 3. |
Größere Wimpertiere, Rädertiere, Bauchhärlinge,
Süßwasser- polypen, Ruder- und Blattfußkrebse
sowie etliche andere Wirbellose, die sich teilweise auch von den
Organismen des
1. und 2. Gliedes ernähren. |
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| 4. |
Borstenwürmer, Insekten- und Käferlarven, Wasserasseln,
Molchlarven, ernähren sich von den Organismen der
Glieder 3 und 2. |
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| 5. |
Molche, große Wasserkäfer, Wasserwanzen, Larven
von
Großlibellen sind das fünfte und letzte Glied der
Nahrungskette in einem fischlosen Kleingewässer. |
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| 6. |
Außerhalb des Wassers setzt sich diese Nahrungskette fort mit
Frosch-
und Schwanzlurchen, Libellen, Wespen, Vögeln und verschiedenen
anderen Räubern. |
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Nahrungskette in einem Zierfischteich
Für gewöhnlich sind mit Fischen besetzte Gartenteiche
viel zu klein. Das Wasser muß in der Regel gefiltert werden um zumindest
die Mulmpartikel heraus zu filtern.
Da alle Fische Lebendfutter dem Trockenfutter vorziehen, werden
auch alle Organismen des dritten und vierten Glieds gefressen. Der Rest
dieser Organismen wird zusätzlich in der Filteranlage
vernichtet, sodass man nicht mehr von einer lückenlosen Nahrungskette
oder gar einem ökologischen Gleichgewicht sprechen kann.
Ob die Fische nun gefüttert werden oder nicht, sie verzehren
immer auch die über die Wasseroberfläche eingetragene Nahrung,
das sind Eier und Larven von Insekten (z.B. Libellen), Käfern, aber
auch der Laich und die Larven von Frosch- und Schwanzlurchen.
Da aber keinerlei Nachwuchs als Ersatz für die konsumierten
Organismen in diesem Teich produziert wird, trägt ein solcher Fischteich
so zur Reduzierung und Verarmung dieser für die Umwelt oft nützlichen
Organismen in unserer Biosphäre bei.
Die unterbrochene Nahrungskette in einem Zierfischteich.
| 1. |
Bakterien, Blaualgen,
mikroskopisch kleine Grünalgen,
Rotalgen und Pilze können sich Dank des kräftigen Nahrungsangebots
und des Fehlens der Konsumenten ungestört und üppig entwickeln.
Dieses Überangebot wird nur zum Teil durch Filteranlagen entsorgt,
verursacht Wassertrübungen und endet häufig im Umkippen
des Gewässers. |
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| 2. |
Zooflagellaten, kleine Wimpertiere,
Amöben,
kleine Rädertiere und andere kleine Ein- und Mehrzeller
werden
z.T. in der Filteranlage getötet oder auch von den Fischen gefressen. |
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| 3. |
Größere Wimpertiere, Rädertiere, Bauchhärlinge,
Süßwasser- polypen, Ruder- und Blattfußkrebse
und andere Wirbellose werden in der Mehrzahl von Fischen gefressen
oder ausgefiltert. |
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| 4. |
Borstenwürmer, Insekten- und Käferlarven, Wasserasseln,
Molchlarven werden wie in Glied 3 total gefressen oder vernichtet. |
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| 5. |
Adulte Molche, große Wasserkäfer und Wasserwanzen,
wandern
ein, ohne eine Chance sich zu vermehren. Nur wenige Larven
von
Großlibellen können auch in Fischteichen überleben. |
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| 6. |
Alle Fische sind aufgrund ihrer Größe die Prädatoren
für fast alle Organismen der vorigen Glieder und somit das letzte
Glied in dieser defekten Nahrungskette. |
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Biologisches oder ökologisches Gleichgewicht
Der Ausdruck Biologisches Gleichgewicht wurde vermutlich in den
Gründerjahren der Aquaristik Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts
geprägt. Daß das in einem Aquarium auf Dauer nicht aufrecht
erhalten werden kann, wurde bald erkannt und hat zur Entwicklung umfangreicher
technischer Vorrichtungen geführt, die die Fischhaltung über
längere Zeit in begrenzten Lebensräumen, z.B. in Aquarien ermöglicht
hat.
Auch heute wird dieser Ausdruck noch verwendet jedoch meistens falsch
weil zu stark vereinfacht in dem Sinne, daß in einem geschlossenen
System sich lediglich Pflanzen und Tiere in einem ausgewogenen Verhältnis
befinden.
Heute ist der Begriff ökologische Gleichgewicht an
die Stelle des meistens falsch interpretierten biologischen Gleichgewichts
getreten.
Man spricht von einem ökologischen Gleichgewicht,
wenn eine Lebensgemeinschaft (Biozönose) aus in Wechselbeziehung
stehenden Organismen in einem ökologischen System entsprechender
Größe (Biotop) über einen langen Zeitraum günstige
und stabile Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen findet, und in der eine
Selbstregulierung die immer wiederkehrenden Populationsschwankungen ausgleicht,
solange keine katastrophale Störung eintritt.
Jedes Kleingewässer würde über kurz oder lang zu
einem toten Gewässer werden, wenn man es total von der Umwelt isolieren
würde. Der Wegfall der Wechselbeziehungen zwischen den ständigen
Wasserbewohnern und den nur zeitweise das Wasser aufsuchenden Insekten
und Amphibien würde bald zu einer Verarmung der Vielfalt führen,
was wiederum mit der Zeit ein Versagen der Selbstregulierung zur Folge
haben würde.
Ein Gartenteich ist ein künstlich geschaffenes Kleingewässer,
das gegenüber natürlichen Kleingewässern einige Nachteile
besitzt.
Jeder natürlicher Tümpel, Weiher oder Teich ist genau genommen
ein Fließgewässer, selbst wenn kein Zu- und Ablauf vorhanden
ist. Die Verbindung mit dem immer fließenden Grundwasser beeinflußt
die Wasserqualität meist positiv, in manchen Fällen jedoch auch
negativ.
Der künstlich angelegte Gartenteich, der mit Folie oder anderem
Material gegen Wasserverlust abgedichtet ist, kann von diesem positiven
Einfluß nicht profitieren, unterliegt andererseits aber genau wie
jedes natürliche Gewässer dem ständigen Eintrag von organischen
und anorganischen Nährstoffen über die Wasseroberfläche.
Dieser Nachteil kann jedoch durch ausreichende Bepflanzung weitgehend
ausgeglichen werden.
Da in einem naturnahen Gartenteich genau wie in einem natürlichen
Kleingewässer die tierischen Bewohner sich von selbst einfinden, also
ausschließlich aus einheimischen, in ihren Lebensgewohnheiten und
Bedürfnissen aufeinander abgestimmten Tieren bestehen, besteht keinerlei
Gefahr, daß die biozönotische Ordnung nicht eingehalten wird.
Verschiedene Tiere halten sich nur zeitweise im Wasser auf wie
z.B. die Amphibien, die das Wasser lediglich zur Fortpflanzung benötigen.
Insekten wie die Libellen legen ihre Eier im oder am Wasser ab. Die
größte Zeit ihres Lebens halten sie sich als Larven im
Wasser auf.
Wasserkäfer sind während ihres Larvenstadiums aber auch als
Imagines auf Wasser angewiesen, verlassen aber häufig
ihr Geburtsgewässer um zur Paarung ein anderes Gewässer
aufzusuchen.
Asseln, Kleinkrebse sowie alle Einzeller, Phyto- und Zooorganismen
leben und vermehren sich aber ausschließlich in diesem Gewässer
und stehen in den ersten Gliedern der Nahrungskette.
Ein Kleingewässer, ob natürlich oder künstlich angelegt,
kann deshalb, aber auch wegen seines geringen Volumens nicht als absolut
eigenständiges Biotop angesehen werden, es ist vielmehr nur
ein Teil unserer Biosphäre und auf diese angewiesen.
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