Grasfrosch-Journal 2012
Laichzeit für Grasfrösche
...
ACHTUNG! Alle einheimischen Amphibien stehen unter Naturschutz *).
Die Entnahme von Laich oder Kaulquappen aus jedem Gewässer zum Zwecke des 
Ansiedelns in einem anderen Gewässer ist nicht nur verboten, sondern in der Regel auch immer erfolglos. Wenn das Gewässer und die  Umgebung geeignet sind, finden sich Amphibien normalerweise bereits innerhalb eines Jahres von selbst ein.
In den letzten zwei Jahren wurden in der gesamten Umgebung die meisten Grundstücke 
- zum Teil mehrfach - geteilt und mit Ein- oder Mehrfamilienhäusern bebaut. Von den meisten Gärten sind dabei nur winzige Fleckchen übrig geblieben, oder sie sind sogar ganz verschwunden, da wo Haus an Haus gebaut wurde.
Dieser enorme Schwund an Grünflächen dürfte sich auch äußerst negativ auf die bis 2009 noch relativ individuenreichen Grasfroschpopulationen auswirken. 
Grasfrösche benötigen für eine ausreichende Ernährung, genau wie jedes andere Tier, eine Mindestfläche als Jagdrevier, die hier jetzt kaum mehr vorhanden ist. 
Folglich dürften, wenn überhaupt, nur noch die gesündesten, erfolgreichsten und stärksten Individuen überleben und sich auch fortpflanzen. 
Es bleibt nur zu hoffen, dass auch über einen längeren Zeitraum wenigstens eine kleinere Anzahl von robusteren Tieren der Grasfrösche für den Erhalt der Art in dieser Wohngegend sorgen wird.

Der Nahrungsbedarf  von den viel kleineren Teichmolchen kann in naturnahen Gartenteichen durchaus gedeckt werden, da er wesentlich geringer ist und weil Molche 
 - im Gegensatz zu Grasfröschen -  auch im Wasser jagen und fressen können. 
Sie sind deshalb von dem hiesigen Grünflächenschwund etwas weniger betroffen.

Der Winter 2011/2012 war im Vergleich zu anderen Jahren zu trocken und zu warm. Lediglich im Februar fielen wenige Zentimeter Schnee und die Temperaturen sanken für über 14 Tage unter den Gefrierpunkt, an manchen Tagen bis unter -10° C. In dieser Zeit war die Teichoberfläche mit Eis bedeckt, bis auf  zwei Stellen, die künstlich eisfrei gehalten wurden.
Ab dem 10. März stiegen die Wassertemperaturen auf über 5° C und die ersten Männchen konnten nachts am 14. März am Teichrand beobachtet werden.
Die, gegenüber anderen Jahren doch recht wenigen Frösche haben vermutlich alle in diesem Teich unter 1m Tiefe überwintert. 
Die Tatsache, dass sich die Anzahl der Individuen auch in der Laichzeit nicht erhöht hat, scheint die oben erwähnten Befürchtungen leider zu bestätigen. 
Exemplare, die in anderen Quartieren überwintert haben, sind offensichtlich nicht zugewandert.
Das Leichverhalten der relativ wenigen Grasfrösche unterschied sich gegenüber früheren Jahren auch in diesem Jahr  wieder erheblich und ähnelte dem im vorigen Jahr (2011). Tagsüber waren nur selten Frösche zu sehen, aber auch nachts waren es meistens nur wenige Exemplare, so dass man eigentlich kaum einmal die volle Anzahl zählen konnte.

Das eigentliche Ablaichen wurde ebenfalls nicht beobachtet, da es höchstwahrscheinlich im tiefen Wasser stattfand und nicht wie üblich in den Morgenstunden am Teichrand. Der Höhepunkt dürfte um den 30. März gewesen sein. Alle Laichballen, bis auf einen,  schwebten im tiefen Wasser und waren deshalb nicht zu sehen.
Die einzelnen Laichballen tauchten dann nacheinander erst nach einigen Tagen auf, als die Laichperiode vermutlich schon längst beendet war. (s. Fotos ab 3. April).

Wie bereits schon 2011 waren auch dieses Jahr einige Tage nach dem Schlüpfen  keine Larven mehr zu sehen. 

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...
..  .Datum   -   Temperatur   -    Anzahl Frösche              Frühjahr  2012
Datum
Luft °C
Wasser
Anzahl
Bemerkungen
14. März
6,7
6,2
4
 Bedeckt
15. März
3,4
6,4
7
 davon 1 Paar,  6 Molche
16. März
3,8
6,0
9
6 Molche, Wolkenlos
17. März
8,2
7,2
14
Nieselregen 
18. März
6,0
5,8
10
regnerisch
19. März
3,0
5,2
6
wolkenlos, nachts Bodenfrost
20. März
8,7
6,9
7
leicht bewölkt
21. März
5,4
6,9
8
davon 1 Paar, 5 Molche
22. März
5,9
7,5
14
davon 3 Paare, vereinzelte Balzrufe
23. März
7,7
8,1
13
davon 3 Paare, ganztägig wolkenlos
24. März
4,2
7,9
11
davon 2 Paare, ganztägig wolkenlos
25. März
4,9
7,2
6
ganztägig wolkenlos
26. März
5,7
7,4
9
davon 1 Paar, zeitweise wolkig
27. März
7,2
8,2
16
davon 3 Paare, vereinzelte Balzrufe
28. März
8,6
8,4
10
davon 1 Paar, Balzrufe
29. März
8,4
7,4
8
davon 2 Paare, Nieselregen
30. März
7,3
7,6
14
erster Laichballen s.u. -  nachts Balzstimmung
 31. März
 1,3
 6,9
 10
Laichballen verschwunden, Balzrufe, wolkenlos
01. Apr.
6,5
6,2
9
Balzrufe, Nieselregen
02. Apr.
5,1
6,2
11
vereinzelte Balzrufe
03. Apr.
4,6
6,9
11
1 Laichballen aufgetaucht - siehe Foto unten
04. Apr.
4,2
5,9
6
bedeckt und kalt
05. Apr.
-1,1
4,2
3
zusätzlich 2 mittlere + 1 kleiner Laichballen (s.Foto)
06. Apr.
5,3
5,4
6
1 Laichb.auf  Teichboden,  insges. jetzt 5 Laichballen 
07. Apr.
1,7
4,9
2
Alle Laichballen an Wasseroberfläche
08. Apr.
7,3
5,2
1
Noch ein kleiner Laichballen aufgetaucht
09. Apr.
8,4
6,4
8
+ 5 Teichfrösche
10. Apr.
8,6
8,2
5
insgesamt 6 Laichballen (s. Foto) - Regen
11. Apr.
4,3
9,2
1
 
12. Apr.
3,7
7,2
2
einige Molche ( s. Foto) 
13. Apr.
7,6
8,9
0
Ende der Laichperiode
14. Apr.
6,4
8,3
1
 
15. Apr.
3,5
7,0
0
 
16. Apr.
3,6
7,1
0
 
17. Apr.
8,1
7,2
0
erste Larven geschlüpft, 1 Ballen wieder abgesunken
18. Apr.
8,1
8,1
0
 
19. Apr.
8,8
9,1
0
 
20. Apr.
8,9
10,0
0
fast alle Larven geschlüpft
21. Apr.
6,3
9,4
0
 
23. Apr.
8,9
9,1
0
immer noch nicht alle geschlüpft
24. Apr.
8,3
10,0
0
 
25. Apr.
11,6
10,8
0
alle Larven geschlüpft, Gallerthüllen fast aufgelöst
02. Mai
14,0
12,2
0
keine Larve mehr im flachen Wasser zu sehen 
..
Alle Zählungen sowie die Messungen der Luft- und Wassertemperaturen an der Wasseroberfläche erfolgten jeweils zwischen 23 und 24 Uhr.
.........
30. März

In den Vormittagsstunden hat 
- völlig unerwartet - ein Pärchen abgelaicht. Der erste Laichballen hat eine mittlere Größe. 
Außer den beiden Männchen oben links, sind während des ganzen Tages keine weiteren Männchen oder Pärchen am Teichrand zu sehen gewesen .
Nachts Balzstimmung aber keine größere Anzahl an Fröschen. 

03. April

In der Gallerte sind Algen eingelagert, die bei genügend Licht wachsen und Sauerstoff erzeugen. Ein abgesunkener Ballen bekommt dadurch Auftrieb und  taucht nach einigen Tagen wieder auf.
Die Entwicklung der Eier ist allerdings wegen der tieferen Temperaturen im tieferen Wasser kaum fortgeschritten.

05. April
Zwei Laichballen im tieferen Wasser, ca 50 bis 60 cm tief. Sie sind erst am nächsten und übernächsten Tag aufgetaucht.
06. April

 Nachtfrost, Vollmond, tagsüber keine und  auch in den Nachtstunden waren nur wenige Frösche zu sehen. Morgens wurden drei neue Laichballen an zwei verschiedenen Stellen des Teiches entdeckt. Sie waren aus dem tieferen Wasser aufgestiegen.
Frösche waren am nächsten Tag bei Temperaturen nahe des Gefrierpunktes trotz Sonnenscheins keine zu sehen.
 

10. April

Insgesamt schwimmen jetzt ein kleiner und vier mittelgroße Laichballen im offenen Wasser. 
Ein großer Laichballen - der auf diesem Foto nicht zu sehen ist - schwimmt  auf der linken Seite direkt am Teichrand zwischen den Binsen.
Die Entwicklung der Eier in allen Laichballen ist in etwa im selben Stadium. 

13. April

Für die Teichmolche sind die sich gerade entwickelnden Froschlarven leicht zu erbeutende Leckerbissen. 
Doch auch etliche Dutzend Molche können nur einen kleinen Teil der vielen, z.Z. noch relativ kleinen Froschlarven vertilgen und den Grasfroschbestand  deshalb kaum gefährden.

19. April

Die Laichballen sind jetzt weit auseinander geflossen und die aus den Gallerthüllen geschlüpften Larven sammeln sich in Gruppen auf der Oberfläche der Gallertfladen.

Doch noch sind nicht alle Larven geschlüpft.

21. April

Die Ballen sind noch weiter auseinander geflossen. Viele Larven schwimmen bereits frei im flachen  Wasser am Teichrand.
 
 

Am Ufer warten gut getarnt und geduldig die Grünen, bis es sich  lohnt auf die z.Z. noch zu magere Beute endlich Jagd zu machen.
       Animation:  Video:

 
Wie bereits im vorigen Jahr waren auch dieses Jahr nach einigen Tagen keine Larven mehr zu sehen, so dass befürchtet werden muss, dass alle eingegangen sind.
Andrew Blaustein, Zoologieprofessor an der Oregon State University hat in der Zeitschrift "Environmental Toxicology and Chemistry" vor einigen Jahren über die Sterblichkeit von Amphibienlarven selbst bei äußerst niedrigen Stickstoffkonzentrat- ionen berichtet. Möglicherweise reagieren Amphibienlarven aber auch auf kleinste Pestizidkonzentrationen wie beispielsweise auf Neonicotinoide, die zwar seit 2008 verboten sind,  jedoch mit Ausnahmegenehmigungen immer noch in der Landwirdschaft eingesetzt werden. 
Dieses bis zu 7000 mal stärker als DDT wirkende Gift verliert im Boden erst nach mehreren Jahren seine Wirkung und kann deshalb auch durchaus das Oberflächen- grundwasser kontaminieren. 
Nachdem im Frühjahr zu wenig Regen gefallen war, wurde der Teich - vor dem Laichen  der Frösche - zweimal mit Brunnenwasser aufgefüllt.

4. Mai 2011 http://www.imkerdemo.de/2011/05/
Verbreitete Immunschwäche in der Natur: eine Hypothese
 

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**) Eisfreihalter

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