| Meine Beobachtungen in den letzten Jahren an meinem 60 qm großen,
naturnahen Folienteich direkt vor meinem Wohnzimmerfenster mit idealen
Beobachtungsmöglichkeiten bei jedem Wetter ergaben, daß Libellen
durchaus nicht nur bei schönem Wetter und vorwiegend in den frühen
Morgenstunden schlüpfen. Bevorzugte Wetterlagen konnte ich allerdings
für das Schlüpfen auch nicht erkennen.
Bei einer systematischen Beobachtung des Wetters und Zählung der
geschlüpften Individuen sollte deshalb herausgefunden werden, ob und
welche Wetterfaktoren die Schlüpfbereitschaft eventuell beeinflussen
würden.
Die nächste Art, von der ich noch größere Stückzahlen
im Jahr 2001 erhoffen konnte, war die Blaugrüne Mosaikjungfer,
von der im Jahre 1999 noch rund 140 Stck geschlüpft waren.
Täglich registriert und in eine Tabelle eingetragen wurden Wasser-
und Lufttemperatur, Bewölkung und Luftdruck, sowie die Anzahl der
geschlüpften Libellen zu verschiedenen Tageszeiten über fast
die gesamte Schlüpfperiode von 51 Tagen im Juni/Juli/August 2001.
Ausführung Die Wassertemperaturen an der Oberfläche schwankten zwischen 17 und 20°C, die in 160 cm Tiefe zwischen 15 und 16° C und wurden, da offensichtlich nicht relevant, auch nicht ausgewertet. Bereits beim intensiven Beobachten des Wetters und Zählen der geschlüpften Libellen zeichnete es sich ab, daß es für die Libellen keinen großen Unterschied zu machen schien, ob es ein paar Grad wärmer oder kälter war. Es schien auch keinen Unterschied zu machen, ob von morgens bis abends die Sonne schien oder es total bewölkt war, ja selbst kurze, heftige Regengüsse schienen keinen Einfluß auf die Schlüpfbereitschaft zu haben. Wie in der folgenden Wolken-Graphik zu erkennen ist, waren die ersten
30 Tage von sehr wechselhaftem Wetter geprägt. Es gab wolkenlose,
sehr warme Tage aber auch kühle Tage mit totaler Bewölkung und
zwischendrin auch zeitweilig kurze, heftige Regengüsse.
Da in der auf die erste 31 tägige Schlupfperiode eine Schönwetterperiode mit Temperaturen bis 28° C, fast wolkenlosem Himmel und nahezu gleichbeibendem hohen Luftdruck folgte, in der nur noch vier Aeshna cyanea und eine A.juncea schlüpften, wurde angenommen, daß die SchlüpfperiodeDie grünen / roten Balken zeigen die Anzahl der geschlüpften Imagines beendet ist. Am 42. Tag schlüpften jedoch wieder 6 Imagines, am 43. sogar 13 bei Regen und kühlen Temperaturen. Daraufhin wurde die detaillierte Beobachtung wieder aufgenommen. Die 5 Libellen in den 9 Tagen dazwischen wurden bei der Auswertung nicht berücksichtigt, da außer den Temperaturen keine Daten notiert worden waren. Insgsamt schlüpften in den 42 ausgewertetenTagen 224 Mosaikjungfern. Davon waren 14 Torf-Mosaikjungfern, die jedoch nicht separat behandelt wurden, da sie während und kurz nach dem Schlüpfen von Blaugrünen Mosaikjungfern nicht zweifelsfrei zu unterscheiden sind Die Auswertung ergab, daß Lufttemperaturen unter ca.20° C einen Einfluß auf den tageszeitlichen Beginn aber auch auf die Dauer des Schlüpfvorganges zu haben schienen. Während bei höheren Temperaturen die meisten Libellen vormittags schlüpften, schlüpfte bei niedrigeren Temperaturen ein Teil erst in der zweiten Tageshälfte.
Bei der Auswertung wurde von der jeweiligen um 12 Uhr MESZ gemessenen Tagestemperatur von 20°C ausgegangen. Bei höheren Temperaturen (über 22°C) brauchten Libellen
nach dem Aufplatzen des Thorax etwas über drei Stunden bis zum Abflug,
bei niedrigeren Temperaturen verlängerte sich diese Zeit bei
Diese Verhaltensweisen waren bei den, zur selben Zeit schlüpfenden Torf-Mosaikjungfern, nicht zu beobachten. Sie flogen alle bereits 20 bis 30 Minuten nach dem Ausbreiten der Flügel davon, auch bei niedrigsten Temperaturen. Zwei A.juncea allerdings, die bei kühleren Temperaturen nass geworden waren bevor sie ihre Flügel ausgebreitet hatten, überlebten es nicht. Anmerkung: Eine frisch geschlüpfte Libelle darf nicht gestört
werden, bevor sie ihre Flügel vollständig ausgebreitet hat. Jede
Berührung hat in der Regel zurfolge, daß die Flügel unvollständig
mit Blut versorgt werden und die Libelle dadurch flugbehindert oder total
flugunfähig wird.
Besonders fiel auf, daß einige der Nachzügler irgendwelche z.T.sogar sehr schwere Schäden aufwiesen. (siehe Mißbildung) Die letzte Torf-Mosaikjungfer hatte ein eingebeultes Auge, was sie zwar nicht beim Wegfliegen behindert hat, was ihr jedoch bei der Jagd erhebliche Schwierigkeiten bereitet haben dürfte. .. . Die Einzelauswertungen bei Luftdruck und Luftdruck-Änderung ergaben folgende Werte:
Bei hohem Luftdruck (>1004 hPa) schlüpften 117 Imagines, das sind
52%
Die Auswertung der Luftdruck-Änderungen zeigt die folgende Graphik. Gewertet wurden jeweils die Ereignisse, bei denen vor oder während des Schlüpfens der Luftdruck entweder anstieg oder abfiel.
Während dieser Schlüpfperioden wurden diverse andere Libellen,
ebenfalls bei jedem Wetter, beim Schlüpfen beobachtet, wie z.B.
Schwarze Heidelibelle, Gemeine Heidelibelle, Binsenjungfern und Weidenjungfern.
Genauere Zahlen sowie genaue Bestimmungen waren nicht möglich.
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