Libellen und das Wetter
Systematische Beobachtungen während einer gesamten Schlüpfperiode
der Mosaikjungfern an einem naturnahen Folienteich
Meine Beobachtungen  in den letzten Jahren an meinem 60 qm großen, naturnahen Folienteich direkt vor meinem Wohnzimmerfenster mit idealen Beobachtungsmöglichkeiten bei jedem Wetter ergaben, daß Libellen durchaus nicht nur bei schönem Wetter und vorwiegend in den frühen Morgenstunden schlüpfen. Bevorzugte Wetterlagen konnte ich allerdings für das Schlüpfen auch nicht erkennen.

Bei einer systematischen Beobachtung des Wetters und Zählung der geschlüpften Individuen sollte deshalb herausgefunden werden, ob und  welche Wetterfaktoren die Schlüpfbereitschaft eventuell beeinflussen würden.
Die meisten, der in meinem Teich sich noch entwickelnden Arten schlüpfen leider in zu geringen Stückzahlen, bis auf die Frühe Adonislibelle, Pyrrhosoma nymphula. Deren hilflose Imagines werden jedoch meistens  schneller von Sperlingen gefressen, als man sie zählen kann. Die recht kleinen Exuvien sind im dichten Pflanzenwuchs auch nur schwer zu entdecken und werden außerdem oft von den Sperlingen beim Fang der frisch geschlüpften Libellen mit abgerissen.

Die nächste Art, von der ich noch größere Stückzahlen im Jahr 2001 erhoffen  konnte, war die Blaugrüne Mosaikjungfer, von der im Jahre 1999 noch rund 140 Stck geschlüpft waren.
Aeshna cyanea ist die anspruchloseste Großlibelle, die sich in fast jedem Gewässer entwickeln kann und deshalb überall in noch verhältnismäßig großen Stückzahlen vorkommt. Die sehr großen, dunklen Larven fallen bereits beim Verlassen des Wassers und Besteigen der Pflanzenstengel auf. Auch die geschlüpften Libellen sind trotz ihrer gelbgrünen Tarnfarbe beim genauen Hinsehen fast immer zu entdecken. (s.Bild rechts)
A. cyanea sowie die zur selben Zeit schlüpfenden wenigen Exemplare der Torf-Mosaikjungfer A.juncea wurden somit zum geeignetsten Beobachtungsobjekt erklärt.

Zur vorigen Seite zurück!
Methode

Täglich registriert und in eine Tabelle eingetragen wurden Wasser- und Lufttemperatur, Bewölkung und Luftdruck, sowie die Anzahl der geschlüpften Libellen zu verschiedenen Tageszeiten über fast die gesamte Schlüpfperiode von 51 Tagen im Juni/Juli/August 2001. 
 

..
00h
06h
09h
12h
15h
18h
Wasser-Oberfläche .. .. .. ..
x
..
Wasser in 160 cm Tiefe .. .. .. ..
x
..
Lufttemperatur  (zusätzl. min/max) .. ..
x
x
x
..
Wolken in X / 8 .. ..
x
x
x
..
Luftdruck und Luftdruck-Änderung
x
x
..
x
..
x
Anzahl Imagines ..
o
o
o
o
o
 
Luft und Wassertemperaturen wurden mit Quecksilber-Thermometern gemessen.

Die Wolken wurden visuell geschätzt und wie in der Meteorologie üblich in 
achtel Teilen des gesamten Himmels (X / 8) notiert.

Luftdruck und Luftdruckänderung wurden der Einfachheit halber mit einem elektronischen (Speicher-) Barometer gemessen . Die Luftdruckänderungen wurden 4 x am Tag 
im Abstand von jeweils 6 Stunden in 6 Stufen abgespeichert und angezeigt.

Um auch die Imagines zu erfassen, die sofort nach dem Schlüpfen von Vögeln gefressen wurden, erfolgte die Zählung  4 bis 6 x jeweils Vor- und Nachmittag. Da an meinem sehr dicht bewachsenen Teich nicht alle Stellen vollständig einzusehen sind, kann man  mit zusätzlich etwa 10% nicht entdeckter und gezählter Libellen rechnen.

Ausführung

Die Wassertemperaturen an der Oberfläche schwankten zwischen 17 und 20°C, die in 160 cm Tiefe zwischen 15 und 16° C und wurden, da offensichtlich nicht relevant, auch  nicht ausgewertet.

Bereits beim  intensiven Beobachten des Wetters und Zählen der geschlüpften Libellen zeichnete es sich ab, daß es für die Libellen keinen großen Unterschied zu machen schien, ob es ein paar Grad wärmer oder kälter war. Es schien auch keinen Unterschied zu machen,  ob von morgens bis abends die Sonne schien oder es total bewölkt war, ja selbst kurze, heftige Regengüsse schienen keinen Einfluß auf die Schlüpfbereitschaft zu haben. 

Wie in der folgenden Wolken-Graphik zu erkennen ist, waren die ersten 30 Tage von sehr wechselhaftem Wetter geprägt. Es gab wolkenlose, sehr warme Tage aber auch kühle Tage mit totaler Bewölkung und zwischendrin auch zeitweilig kurze, heftige Regengüsse.
Darauf folgten 9, sehr warme Tage (nicht ausgewertet, da Schlüpfpause). 
Die zweite, zwölftägige  Schlüpf-Periode war wechselhaft mit vorwiegend niedrigeren 'Temperaturen unter 20°C.

Die grünen  / roten  Balken zeigen die Anzahl der geschlüpften Imagines 
vormittags / nachmittags an.
Die blaugrauen Felder stellen die Wolken in X / 8 dar. 
(8 bedeutet Totalbewölkung, 0 keine Wolke).
Die rote Doppellinie trennt die erste von der zweiten Periode. 
Da in der auf die erste 31 tägige Schlupfperiode eine Schönwetterperiode mit Temperaturen bis 28° C, fast wolkenlosem Himmel und nahezu gleichbeibendem hohen Luftdruck folgte, in der nur noch vier Aeshna cyanea und eine A.juncea schlüpften, wurde angenommen, daß die Schlüpfperiode 
beendet ist.
Am 42. Tag schlüpften jedoch wieder 6 Imagines, am 43. sogar 13 bei Regen und kühlen Temperaturen. Daraufhin wurde die detaillierte Beobachtung wieder aufgenommen. Die 5 Libellen in den 9 Tagen dazwischen wurden bei der Auswertung nicht berücksichtigt, da außer den Temperaturen keine Daten notiert worden waren.

Insgsamt schlüpften in den 42 ausgewertetenTagen 224 Mosaikjungfern. 
Davon waren 14 Torf-Mosaikjungfern, die jedoch nicht separat behandelt wurden, da sie während und kurz nach dem Schlüpfen von Blaugrünen Mosaikjungfern nicht zweifelsfrei zu unterscheiden sind

Die Auswertung ergab, daß Lufttemperaturen unter ca.20° C einen Einfluß auf den tageszeitlichen Beginn aber auch auf die Dauer des Schlüpfvorganges zu haben schienen. Während bei höheren Temperaturen die meisten Libellen vormittags schlüpften, schlüpfte bei niedrigeren Temperaturen ein Teil erst in der zweiten Tageshälfte. 

Bei der Auswertung  wurde von der jeweiligen um 12 Uhr MESZ gemessenen Tagestemperatur von 20°C ausgegangen.

Bei höheren Temperaturen (über 22°C) brauchten Libellen nach dem Aufplatzen des Thorax etwas über drei Stunden bis zum Abflug, bei niedrigeren Temperaturen verlängerte sich diese Zeit bei 
Aeshna cyanea auf bis zu 8 Stunden oder weit darüber. Die Weibchen fielen dabei durch ihre Flugunlust besonders auf. Etliche übernachteten  auf ihrem Schlüpfplatz, einige fielen nach drei Tagen und Nächten ins Wasser und ertranken. Sie waren aber durchaus überlebensfähig. Ließ man sie z.B. nach zwei Tagen vorsichtig auf den Zeigefinger klettern - was alle überaus bereitwillig taten - so flogen sie nach Aufwärmen der Flugmuskulatur, spätestens nach fünf Minuten davon, und zwar mit kräftigerem Flügelschlag als die frisch geschlüpften Individuen. Das traf auch auf Exemplare zu, die durch einen oder gar mehrere Regengüsse pro Tag ihre Flügel erst noch durch kräftiges Flügelschlagen vom Wasser befreien mußten. 

Zur vorigen Seite zurück!
Video: Aufwärmen der Flugmuskulatur......

Diese Verhaltensweisen waren bei den, zur selben Zeit schlüpfenden Torf-Mosaikjungfern, nicht zu beobachten. Sie flogen alle bereits 20 bis 30 Minuten nach dem Ausbreiten der Flügel davon, auch bei niedrigsten Temperaturen. Zwei  A.juncea allerdings, die bei kühleren Temperaturen nass geworden waren bevor sie ihre Flügel ausgebreitet hatten, überlebten es nicht.

Anmerkung: Eine frisch geschlüpfte Libelle darf nicht gestört werden, bevor sie ihre Flügel vollständig ausgebreitet hat. Jede Berührung hat in der Regel zurfolge, daß die Flügel unvollständig mit Blut versorgt werden und die Libelle dadurch flugbehindert oder total flugunfähig wird.
 
 

Zum Ende der ersten wie der zweiten Schlüpfperiode mehrten sich die Fälle in denen behinderte Imagines schlüpften. Zusammengeklebte oder geknickte Flügel, verwesende oder vertrocknete Abdomen, bevor die Flügel ausgebreitet werden konnten, wurden zwar vereinzelt aber häufiger als zu Beginn der Perioden beobachtet. Diese Fälle wurden als Schlüpfereignis selbstverständlich mitgezählt, obwohl diese Tiere keine
Überlebenschance hatten. 
Besonders fiel auf, daß einige der Nachzügler  irgendwelche z.T.sogar sehr schwere Schäden aufwiesen. (siehe Mißbildung)
Die letzte Torf-Mosaikjungfer hatte ein eingebeultes Auge, was sie zwar nicht beim Wegfliegen behindert hat, was ihr jedoch bei der Jagd erhebliche Schwierigkeiten bereitet haben dürfte.
 ..
.
Die Einzelauswertungen bei Luftdruck und Luftdruck-Änderung ergaben folgende Werte:

Bei hohem Luftdruck (>1004 hPa) schlüpften 117 Imagines, das sind 52%
Bei tiefem Luftdruck  (<1004 hPa) schlüpften 107 Imagines, das sind 48%

Die Auswertung der Luftdruck-Änderungen zeigt die folgende Graphik. Gewertet wurden jeweils die Ereignisse, bei denen vor oder während des Schlüpfens der Luftdruck entweder anstieg oder abfiel.

Während dieser Schlüpfperioden wurden diverse andere Libellen, ebenfalls bei jedem Wetter,  beim Schlüpfen beobachtet, wie z.B. Schwarze Heidelibelle,  Gemeine Heidelibelle, Binsenjungfern und Weidenjungfern. Genauere Zahlen sowie genaue Bestimmungen waren nicht möglich.
 ...

Libellen
copyright by G.H.Stanjek - hydro-kosmos.de
Zur vorigen Seite zurück!