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| Schwimmteiche erfreuen sich wegen ihrer angeblichen Naturnähe
immer größerer Beliebtheit. Dass man sich in solchen Gewässern
aber auch mit einer, zwar ungefährlichen aber recht unangenehmen Schwimmbad-Dermatitis
infizieren kann und sich auch Tiere einfinden, die den meisten, doch ziemlich
naturentfremdeten Naturliebhabern aber gar nicht so gut gefallen,
sind Tatsachen, die in vielen sachbezogenen Veröffentlichungen
nicht verschwiegen, aber von den Lesern meist ignoriert werden. Bereits
nach einem Jahr beklagen sie sich dann über angeblich tausende von
Egeln, ekligen Würmern, schmierigen Ablagerungen und schleimigen Klumpen
oder über Massenentwicklungen von Rückenschwimmern etc.
Der Rückenschwimmer wird in fast allen Gartenteichbüchern
auch Wasserbiene genannt und gleichzeitig wird - fast immer im selben Wortlaut
- auch auf die Schmerzhaftigkeit seines Stiches hingewiesen. Einige Autoren
schreiben allerdings zusätzlich einschränkend, dass der Rückenschwimmer
aber nur sticht, wenn er mit der Hand gefangen wird, was bei den überaus
sensiblen und scheuen Tieren allerdings eine wahre Kunst ist.
In der Fachliteratur konnte ich jedoch bisher,
im Gegensatz zur Sachliteratur, keinerlei Hinweise
darauf finden, dass Rückenschwimmer ihr Rostrum (Teil der Mundwerkzeuge)
auch zur Verteidigung einsetzen würden. Bei der Betrachtung von REM-Aufnahmen
des kurzen, mehrgliedrigen Saugrüssels mit der kleiner als 0,5 mm
langen Spitze kommen ebenfalls erhebliche Zweifel auf, dass diese Konstruktion
die elastische, gummiartige äußere Hornschicht der Epidermis
eines Säugers überhaupt durchdringen kann.
(siehe: Atlas zur Biologie
der Wasserinsekten).
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Kopf mit Saugrüssel eines Rückenschwimmers
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Die Rückenschwimmer gehören zu den Wasserwanzen. Sie leben
räuberisch und ergreifen mit ihren Vorderbeinen kleinere Wasserbewohner
und ins Wasser gefallene Insekten, stechen sie mit ihren Saugrüsseln
an und saugen sie aus. Davor wird ein stark ätzendes,
zersetzendes Gift in die Opfer injiziert.
Stachel mit Giftdrüsen die zur Verteidigung eingesetzt werden,
wie es Wespen und Bienen tun, besitzen Wasserwanzen aber nicht. |
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In über 65 Jahren habe ich schon unzählige, versehentlich
gefangene, aber unerwünschte Rückenschwimmer einfach mit der
Hand aus Futtersieben, Planktonnetzen und Petrischalen vorsichtig herausgegriffen.
Da ich dabei aber noch nie gestochen wurde, wollte ich in einem Selbstversuch
ergründen, wann und unter welchen Umständen Rückenschwimmer
nun tatsächlich stechen. |
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| In ein Aquarium wurden mehrere adulte Rückenschimmer gesetzt.
Dann habe ich meine Hand hineingesteckt und mich etwa 15 Minuten lang absolut
ruhig verhalten um den Rückenschwimmern die Gelegenheit zu geben,
eine Pore zum Anstechen und Aussaugen zu finden, so wie es auch Stechmücken,
Flöhe oder Bettwanzen tun. (Bild links)
Nachdem mein Arm langsam anfing einzuschlafen und ich immer
noch nicht ausgesaugt worden bin, fing ich an die Tiere zu reizen, indem
ich versuchte nach ihnen zu greifen.
Leider nur mit mäßigem Erfolg, denn sie sind sehr scheu,
spüren nicht nur die Wasserbewegung, sondern können auch noch
erstaunlich gut sehen, sind sehr schnelle Schwimmer und ergreifen bei der
geringsten Bewegung eines für sie bedrohlich wirkenden größeren
Gegenstandes sofort die Flucht.
Daraufhin drückte ich einen nach dem anderen, oder auch gleich
zwei zusammen, sanft gegen die Scheibe, doch ohne sie zu quetschen (rechtes
Bild).
Einige waren inzwischen schon aus dem Aquarium gesprungen
und weggeflogen. |
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| Zuletzt fing ich nacheinander die zwei übriggebliebenen und
schloß unter Wasser meine Hand, natürlich ohne die Tiere zu
quetschen. Anschließend zog ich die geschlossene Hand aus dem
Wasser, ließ das Wasser langsam ablaufen und trug jedes Tier einzeln
in der geschlossenen Hand wieder in den Teich zurück.
Nachdem ich weder gebissen, ausgesaugt noch gestochen
worden bin, war dieser Versuch leider ohne das erhoffte Ergebnis verlaufen!
Dieses negativ verlaufene Experiment
ist jedoch noch kein Beweis dafür,
dass Rückenschwimmer nicht vielleicht
doch stechen,
oder vielleicht bei grober Behandlung
die Haut durch Ausstoß ihres
aggressiven Verdauungssekrets verätzen
können?
Meine Rückenschwimmer gehören eindeutig derselben Art an.
Möglicherweise ist eine der übrigen
fünf, in Europa noch vorkommenden Arten hungriger oder angriffslustiger.
Möglicherweise hatte ich es dann allerdings
in über 65 Jahren immer nur mit derselben Art zu tun, und das in den
unterschiedlichsten Gegenden Europas.
Möglicherweise muss man die Rückenschwimmer
zerquetschen, bis sie sich wehren.
Möglicherweise verhalten sich Rückenschwimmer
in einem Aquarium auch friedlicher.
Möglicherweise stechen nur Rückenschwimmer
aus Goldfischteichen.
Möglicherweise stechen Rückenschwimmer
in Schwimmteichen, weil sie kaum etwas zu fressen finden und ständig
unter Stress stehen.
Möglicherweise und wahrscheinlich muss
man sie aber auch sehr reizen und bedrohen.
Möglicherweise...
Möglicherweise... etc.etc.
Möglicherweise handelt es sich aber bei
den Behauptungen auch nur um ein ähnliches Phänomen wie bei der
jahrzehntelang immer wieder veröffentlichten falschen Aussage, dass
im Spinat zehnmal soviel Eisen enthalten sei, wie es tatsächlich
der Fall ist.
Dass der Autor der ersten Veröffentlichung
lediglich das Komma versehentlich um eine Stelle nach rechts versetzt hatte,
erkannte keiner der nachfolgenden Autoren und erst viele Jahrzehnte später
wurde das bei einer neuerlichen Routineuntersuchung festgestellt. Die falschen
Werte wurden trotz alledem noch viele Jahre fröhlich weiter veröffentlicht.
("Eisen/Spinat-Phänomen")
Wespen (gemeint sind soziale Faltenwespen wie z.B. Vespula vulgaris)
und (Honig-)Bienen, die ins Wasser gefallen sind, stechen meistens sofort,
wenn man sie berührt.
Möglicherweise passierte das dem Autor des ersten Gartenteichbuches,
der dann zwar nicht das schnell wegfliegende Insekt, aber zufällig
den Rückenschwimmer davon- schwimmen sah, der das ins Wasser gefallene
Insekt gern erbeutet hätte.
Die Schilderungen der wenigen angeblichen Opfer klingen immer sehr
ähnlich. Der Stich erfolgte oft beim Einsammeln von Laub oder Schwimmblattpflanzen
von der Wasseroberfläche.
Meldungen in den letzten Jahren beschreiben fast immer
"Angriffe bösartiger" Rückenschwimmer beim Baden in Schwimmteichen.
Die Tiere hatten sich unter die Badehose oder den Badeanzug verirrt und
sofort gestochen bzw. gebissen.
Zu selten wird leider beachtet, dass es viele Pflanzen und Insekten
gibt, die mehr oder weniger stark ätzende Sekrete
(ähnlich der Ameisensäure) ausscheiden können, wie z.B.
die bekannten Brennesseln, verschiedene Distelarten und etliche andere
weniger bekannte Pflanzen, aber auch alle Ameisen, verschiedene Käfer
wie z.B. auch die beiden Bombardierkäferarten der Gattung Brachinus
und etliche mehr. All das kann auch ins Wasser fallen und beim Aufsammeln
einen brennenden Schmerz verursachen.
Auch beim Quetschen oder gar Zerquetschen eines
adulten Rückenschwimmers könnte die aufgeweichte Haut durch die
harten Flügeldecken leicht verletzt werden und durch das Austreten
des ätzenden Sekretes aus
dem Rüssel könnte dann ein brennender Schmerz oder stark
schmerzender Effekt auf der Haut entstehen. |
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| Nachtrag
Juli 2009
Für die (seit 2004) rund
300 mir zugesandten Berichte möchte ich mich bei allen beteiligten
Lesern freundlich bedanken.
Aus dieser bescheidenen und einer leider noch etwas geringeren Anzahl
von genauen, glaubwürdigen Schilderungen lässt sich nur bedingt
eine endgültige Antwort auf die beiden Teile Wann
und Stechen der
oben gestellten Frage ableiten.
Bei sorgfältiger Analyse der berichteten exakten
Beobachtungen
kann eindeutig festgestellt werden, dass es sich immer um reine Abwehrreaktionen
der sich bedroht gefühlten, bedrängten oder vermeintlich in Gefahr
geratenen Tiere gehandelt hat.
Da in allen glaubhaften Schilderungen zwar von Hautrötungen,
manchmal auch Hautschwellungen berichtet wurde, nie jedoch von erkennbaren
Einstichstellen, kann mit Sicherheit angenommen werden, dass Rückenschwimmer
bei Gefahr zwar nicht stechen. aber ihr stark ätzendes Verdauungssekret
ausstoßen, das die Haut reizt oder gar verletzt, ähnlich wie
die Ameisensäure oder das Gift von Brennesseln. |
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